Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers ist nach den Vorfällen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Ralf Jäger, sagte: "Meine Entscheidung ist jetzt notwendig, um das Vertrauen der Öffentlichkeit und die Handlungsfähigkeit der Kölner Polizei zurückzugewinnen – auch mit Blick auf die anstehenden Großveranstaltungen." Er habe Albers diese Entscheidung in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt. Dieser habe dafür "großes Verständnis aufgebracht".

Zuvor hatte sich bereits Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker deutlich von Albers distanziert. Die ihr von der Polizeiführung geschilderten Fakten gäben nicht das vollständige Bild der Einsatznacht wieder, hieß es in einer Stellungnahme. "Insofern ist mit meinem heutigen Kenntnisstand das Vertrauensverhältnis zur Kölner Polizeiführung erheblich erschüttert."

Jäger sagte, die Polizei habe nun die Aufgabe, die Vorfälle in der Silvesternacht vollständig aufzuarbeiten und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. "Die Menschen wollen zu Recht wissen, was in dieser Silvesternacht passiert ist, wer die Täter sind und wie solche Vorfälle zukünftig verhindert werden können."

Albers wurde unter anderem vorgeworfen, die Öffentlichkeit nach den Übergriffen nicht rechtzeitig informiert zu haben und Informationen, unter anderem über die Herkunft der Verdächtigen, zurückgehalten zu haben. Bis zuletzt hatte sich Albers verteidigt: Den Vorwurf der "Verschleierung" der Herkunft möglicher Verdächtiger aus der Silvesternacht nannte er "vollkommen abstrus". Er habe seit der ersten Pressekonferenz am Sonntag "mehrfach öffentlich" darauf hingewiesen, dass sich viele von seinen Polizisten am Bahnhof kontrollierten Personen mit Dokumenten des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge ausgewiesen hätten, sagte Albers noch am Nachmittag.

Für seinen Rauswurf zeigte Albers dennoch Verständnis: "Ich akzeptiere es, dass in der aktuellen Diskussion die Polizeiführung und damit auch zuallererst meine Person ins Zentrum der Kritik geraten sind", sagte der 60-Jährige. Die Polizistinnen und Polizisten, die in der Silvesternacht rund um den Kölner Hauptbahnhof im Dienst waren, hätten diese Kritik jedoch nicht verdient.

In der Silvesternacht war es am Kölner Hauptbahnhof aus einer Menge von etwa 1.000 Menschen heraus – ein Großteil davon Männer – zu sexuellen Übergriffen und anderen Straftaten gekommen. Bis zum Freitag gingen etwa 170 Anzeigen bei der Polizei ein, davon haben drei Viertel einen sexuellen Hintergrund. In vielen Fällen geht es zudem um Diebstahl.

Der Polizeieinsatz war von vielen Seiten scharf kritisiert worden, unter anderem von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Informationen über den Einsatzablauf kamen nur stückchenweise ans Licht. Bis heute hat die Polizei mehr als 20 mutmaßliche Täter identifiziert, gegen die sie ermittelt, in Haft sitzt niemand.

Kölns Polizei soll Verstärkung abgelehnt haben

Am Kölner Hauptbahnhof waren sowohl Bundes- als auch Landespolizisten im Einsatz, beide Behörden erfassen ihre Einsatzvorgänge separat. Die Bundespolizei war dabei in erster Linie für den Bahnhof zuständig. Es wurde nun bekannt, dass die Kölner Polizei trotz der Eskalation der Lage am Hauptbahnhof angebotene Verstärkung ablehnte. Das sagte ein Sprecher des Landesamts für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD). Die Duisburger Leitstelle habe insgesamt drei Züge, also 114 Einsatzkräfte, zur Verstärkung gehalten. Diese hätten die ganze Silvesternacht in Aachen, Wuppertal und Gelsenkirchen bereit gestanden.

Leitstelle und Kölner Polizei hätten nach Angaben der Duisburger Stelle die ganze Nacht in Verbindung gestanden. Der Kölner Polizei sei sogar Verstärkung angeboten worden, als sich die Situation verschärfte. Das Angebot wurde ausgeschlagen. "Mir ist keine konkrete Begründung bekannt", sagte der Sprecher laut Stadt-Anzeiger.