Zeitgleich zu einer Kundgebung des fremdenfeindlichen Legida-Bündnisses haben in Leipzig-Connewitz an mehreren Orten rechtsextreme Hooligans randaliert. Nach Angaben der Polizei zündeten sie mehrere Autos an, feuerten Pyrotechnik ab und schlugen Dutzende Schaufensterscheiben ein. Die Polizei kesselte 250 Verdächtige ein und nahm Personalien auf.

Fünf Polizisten wurden in den Auseinandersetzungen verletzt. Ein Brand in einer Dachgeschosswohnung soll von einer von Randalierern abgeschossenen Feuerwerksrakete ausgelöst worden sein. Wasserwerfer fuhren in Connewitz auf, ein Hubschrauber kreiste in der Luft, Reiterstaffeln waren in Bereitschaft. Beamte stellten 57 Straftaten wegen Verstoßes gegen das Versammlungs-, Waffen-, Sprengstoff- und Betäubungsmittelgesetz fest. Im Stadtteil Connewitz leben viele linke Autonome. Später steckten nach Polizeiangaben auch linke Gruppen Mülltonnen in Brand und versuchten, Barrikaden zu errichten.

Die Bewegung Legida ist ein Ableger der Pegida-Bewegung in Dresden, gilt aber als deutlich radikaler. Die Demonstrationen im Stadtzentrum, an denen Tausende Gegner und Anhänger von Legida teilnahmen, verliefen den Angaben zufolge dagegen weitgehend friedlich.

Den Auftakt zu einer Lichterkette rund um den dreieinhalb Kilometer langen Innenstadtring bildete ein ökumenisches Friedensgebet in der Nikolaikirche. Etwa 850 Menschen nahmen teil, darunter Polizeipräsident Bernd Merbitz. In die Lichterkette reihten sich auch die Staatsminister für Integration und Justiz, Petra Köpping (SPD) und Sebastian Gemkow (CDU), sowie Vizeministerpräsident und Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) ein. Nach Schätzungen der Initiative Durchgezählt beteiligten sich insgesamt zwischen 2.300 und 2.800 Menschen.

Aufgerufen hatte ein Bündnis aus Gewerkschaften, Wirtschaft, Kultur und Vereinen sowie SPD, Grüne und Linke. Die örtliche CDU distanzierte sich allerdings von der Lichterkette. Kreisvorsitzender Robert Clemen sagte, die Union werde nicht "an einer sozialdemokratisch organisierten Geburtstagsfeier für Legida teilnehmen". Auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla sagte, die Ziele der Organisatoren stünden den Bemühungen der Bundesregierung im Weg, die Flüchtlingszahlen zu reduzieren.

Die Pegida-Bewegung in Dresden hatte auf eine eigene Veranstaltung verzichtet und zur Teilnahme in Leipzig aufgerufen. Der Chemnitzer Ableger Cegida hatte dasselbe getan. Unter den Teilnehmern in Leipzig war auch der Dresdner Pegida-Organisator Lutz Bachmann. Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling machte bei der Kundgebung Stimmung gegen muslimische Flüchtlinge und verunglimpfte sie mit Blick auf die Vorkommnisse in der Silvesternacht in Köln pauschal als "Sex-Terroristen". Laut der Initiative Durchgezählt nahmen insgesamt bis zu 3.400 Menschen teil. Die Polizei war mit einem Großaufgebot und Beamten aus mehreren Bundesländern im Einsatz, um die Lager zu trennen.

Auf die Bahnstrecke Dresden–Leipzig wurde kurz vor Beginn der Legida-Demonstration ein Brandanschlag verübt. Ein Signal an der Strecke sei angezündet, an zwei weiteren seien Brandsätze entdeckt worden, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei. Die Vermutung liege nahe, dass der Anschlag im Zusammenhang mit der Demonstration von Legida und Pegida in Leipzig stehe. Der Streckenabschnitt vor Leipzig wurde vorübergehend gesperrt.

Verletzte in Potsdam

Auch in Potsdam gab es Auseinandersetzungen: Nach Angaben der Polizei versuchten Pegida-Gegner, Teilnehmer des sogenannten Abendspaziergangs anzugreifen. Es flogen Steine und Böller, auch abgerissene Verkehrsschilder und Mülltonnen wurden geworfen. Augenzeugen schilderten kleinere Rangeleien mit Polizisten. Die Beamten setzten Pfefferspray ein und das Polizeipräsidium beorderte zwei zusätzliche Einsatzhundertschaften nach Potsdam. Nach Angaben der Polizei wurden mehrere Beamte und Demonstranten verletzt.

Zuvor hatten mehrere Hundert Menschen in der Potsdamer Innenstadt größtenteils friedlich gegen Pegida protestiert. Mit dabei waren auch zahlreiche Potsdamer Stadtverordnete. Wenige Hundert Meter entfernt versammelten sich auf dem zentralen Bassinplatz nach Schätzungen von Reportern knapp 100 Pegida- ympathisanten im strömenden Regen zu einer Kundgebung.