US-Präsident Barack Obama fand deutliche Worte für die Lage in Flint. "Wenn ich ein Elternteil in Michigan wäre, wäre ich außer mir vor Sorge", sagte er am Dienstag in einem Gespräch mit Bürgermeisterin Karen Weaver. Vergangene Woche hatte er bereits den Notstand in der Arbeiterstadt im US-Bundesstaat Michigan ausgerufen, weil die Menschen dort seit fast zwei Jahren mit bleiverseuchtem Wasser versorgt werden. "Es ist eine Erinnerung daran, dass wir nicht an der Grundversorgung unserer Bürger sparen dürfen", fügte Obama am Mittwoch hinzu.

Tatsächlich waren es Sparpläne, die den Notstand verursachten: 2014 wurde die Wasserversorgung von Flint umgestellt. Statt das Wasser wie bisher aus Detroit zu beziehen, sollte es kostengünstig aus einem nahe gelegenen Fluss kommen. Dazu wurde es durch alte Rohre in die Stadt geleitet. Weil das Wasser nicht ausreichend behandelt wurde, löste es Blei aus den Leitungen – die 100.000 Bewohner der Stadt klagten vermehrt über schlechte Gerüche, Kopfschmerzen und Hautausschläge. Aber erst eineinhalb Jahre später, als der Staat eine Warnung veröffentlichte, erfuhren sie, dass sie verunreinigtes Wasser getrunken hatten. Ende September 2015 räumte der Gouverneur von Michigan schließlich ein, dass das Wasser nicht genießbar sei. Die Folgen der Umstellung auf Flusswasser seien "nicht vollständig verstanden" worden, sagte Rick Snyder.

Seit Oktober kommt das Wasser nun wieder aus Detroit. Da die Rohre durch das Flusswasser aber stark beschädigt wurden, enthält das Wasser immer noch Blei. Kritiker schätzen, dass die Rohre sogar komplett ausgetauscht werden müssten. Mitte letzter Woche hatte der Gouverneur von Michigan bekannt gegeben, dass in der Zeit, in der Wasser aus dem Fluss entnommen wurde, im Bezirk die Legionärskrankheit aufgetreten sei. Zehn Menschen starben daran. Vertreter der Gesundheitsbehörde erklärten, sie könnten daraus nicht den Schluss ziehen, dass der Ausbruch auf das Flusswasser zurückzuführen sei. Andere sind der Meinung, dass dies wahrscheinlich der Fall war.

USA - Bürger von Flint haben Angst vor Blei im Trinkwasser Aus Kostengründen bezog die US-Stadt Flint ihr Wasser eineinhalb Jahre lang aus einem Fluss. Doch das aggressive Wasser löste Blei aus den Rohren, das sich nun im Blut der Einwohner findet.

Am Dienstag entschuldigte sich der Gouverneur Snyder offiziell bei den Bürgern von Flint. Seit die Vorwürfe bekannt wurden, musste er sich zahlreichen Aufforderungen zum Rücktritt stellen, wie die New York Times schrieb. Am Mittwoch veröffentlichte Snyder dann eine Reihe von E-Mails aus den letzten beiden Jahren. Eine habe beispielsweise darauf hingewiesen, dass, selbst nachdem Ärzte über eine hohe Konzentration von Blei im Blut einheimischer Kinder berichtet hatten, seitens des Staates nicht reagiert wurde: Ein Berater des Gouverneurs habe gesagt, die Beamten der Stadt, nicht die des Staates, müssten "damit klarkommen", schreibt die New York Times. Die Veröffentlichung der E-Mails soll zeigen, wie transparent die Stadt mit dem Thema umgeht, offenbart aber auch, dass zahlreiche Hinweise abgewiesen wurden. Selbst als wissenschaftliche Tests positiv ausfielen, wurde noch gezögert, das Problem zuzugeben. Mittlerweile setzt die Nationalgarde Freiwillige ein, die Bleitests, Filter und Wasserflaschen verteilen.

Gerade bei Kindern kann Blei schwere Lern- und Verhaltensstörungen verursachen. Blei habe schwerwiegende lebenslange Folgen, über Generationen hinweg, sagt Mona Hanna-Attisha vom Kinderkrankenhaus Hurley, wo mehr als 2.000 Kinder aus Flint untersucht wurden. Sie soll die Probleme öffentlich gemacht haben, nachdem die staatlichen Behörden ihre Bedenken zunächst abgewiesen hatten. "Es war frustrierend, dass es so lange gedauert hat", sagt Hanna-Attisha. Und sie beklagt, dass es noch immer nur langsam vorangehe.

Die Bürger sind nach wie vor enttäuscht über die Reaktion des Staates. "Der Staat hat allen erzählt: 'Es ist gut, entspannt Euch. Es ist sicher.'" Sogar dann noch, als sich Leute beschwerten, das Wasser sehe trüb aus und schmecke schlecht, empört sich Melissa Mays, die sich in der Gemeinde engagiert. "Sie haben gelogen." "Wenn Flint ein reicher Vorort wäre, dann wäre eine so hohe Bleibelastung niemals akzeptiert worden", sagte Bürgermeisterin Weaver.