Vor Moldaus Regierungssitz in Chișinău haben Tausende Demonstranten Neuwahlen gefordert, dabei ist die neue Regierung gerade mal einen Tag im Amt. Bereits nach der Vereidigung am Mittwoch hatte die prorussische Opposition im Parlament Proteste vorhergesagt und juristische Schritte angekündigt. Sozialistenchef Igor Dodon sagte, er wolle die Wahl des proeuropäischen Ministerpräsidenten Pavel Filip beim Verfassungsgericht anfechten.

Dodon sollte Recht behalten: Bereits am Mittwoch stürmten Hunderte Demonstranten das Parlament. 15 Menschen wurden verletzt, darunter neun Polizisten. Trotz des Tumults präsentierte der frühere Kommunikationsminister Filip dann am späten Abend dem Staatspräsidenten Nicolae Timofti sein Kabinett. Die mittlerweile rund 7.000 Demonstranten wollten den Amtsantritt allerdings nicht hinnehmen. Einige der Regierungsgegner forderten engere Beziehungen zu Russland. Sie verlangten zugleich, dass sich der Staat von Europa abwendet. Andere wollten einen entschlosseneren Kampf gegen Korruption.

Vor der Parlamentswahl 2014 waren aus drei Banken in Moldau umgerechnet bis zu 1,38 Milliarden Euro verschwunden. Bis heute wurde nicht aufgeklärt, was mit dem Geld passiert ist. Das führte zu massivem Misstrauen gegen die politische Elite. Schon damals kam es zu Straßenprotesten, denen mehrere Wechsel an der Regierungsspitze folgten.

Die neue Regierung um Filip ist bereits die dritte seit der Parlamentswahl 2014. Beobachter halten Filips Mehrheit für wackelig, da sie auf die Unterstützung einzelner Abgeordneter baut, die eigentlich aus dem Oppositionslager stammen. Das Land mit 3,5 Millionen Einwohnern ist gespalten zwischen Verfechtern einer Annäherung an die Europäische Union und prorussischen Kräften.

Im Oktober war die letzte Regierung durch ein Misstrauensvotum gestürzt worden. Monatelang konnten sich Präsident Timofti und die Abgeordneten nicht auf einen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten einigen, bis Filip schließlich als Kompromisskandidat nominiert wurde.