Waffen der Bundeswehr werden im Nordirak auf dem Schwarzmarkt weiterverkauft. © Thomas Peter/Reuters

Sturmgewehre und Pistolen aus Bundeswehrbeständen werden inzwischen auf Waffenmärkten im Nordirak angeboten. Das haben Recherchen von NDR und WDR in der kurdischen Autonomieregion ergeben. Oppositionspolitiker hatten die Bundesregierung bereits gewarnt, die Waffen könnten in die falschen Hände gelangen. Ursprünglich waren sie für den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" gedacht.

In den Städten Erbil und Suleimanija hätten Reporter mehrere Sturmgewehre des Typs G3 und eine Pistole des Typs P1 mit der eingravierten Abkürzung "Bw" für Bundeswehr gefunden. Die Waffen stammten offenbar aus jenen Beständen, welche die Bundesregierung an die kurdische Autonomieregierung im Nordirak geliefert habe.

Den Recherchen zufolge verkauften Peschmerga-Kämpfer ihre Dienstwaffen, weil sie wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage im Land seit Monaten keinen Sold erhalten hätten. Sturmgewehre vom Typ G3, Baujahr 1986, würden demnach auf den Märkten zu einem Preis von 1.450 bis 1.800 US-Dollar angeboten.

In Berlin hätten die Reporter nach eigenen Angaben einen ehemaligen Peschmerga getroffen, der noch bis vor Kurzem im Fronteinsatz gegen den IS gekämpft habe und nun mit seiner Familie als Asylbewerber in Deutschland lebe. Er habe berichtet, er habe seine Dienstwaffe verkauft, um die Flucht nach Deutschland zu finanzieren.

Offiziellen Stellen in der kurdischen Autonomieregierung sei das Problem desertierter Peschmerga bekannt. Der Gouverneur der Provinz von Kirkuk, Nadjmeddin Karim, erklärte gegenüber NDR und WDR, er verurteile desertierte Soldaten nicht. Die kurdische Regierung sei mangels finanzieller Mittel nicht in der Lage, Staatsbedienstete, darunter auch die Peschmerga, regelmäßig zu bezahlen.

2014 hatte die Bundesregierung begonnen, kurdische Peschmerga im Nordirak mit Waffen auszurüsten, um sie im Kampf gegen den IS zu unterstützen. Zusätzlich wurden Bundeswehrsoldaten in den Nordirak entsandt, um die Peschmerga zu trainieren.

Nachverfolgung der Waffen nicht beabsichtigt

Aktuell plant die Bundesregierung weitere Lieferungen von Waffen an die kurdischen Streitkräfte. Dabei räumte die Bundeswehr im vergangenen Jahr bereits ein, dass ihr nicht bekannt ist, an welche Einheiten die deutschen Waffen ausgehändigt würden.

Das Bundesverteidigungsministerium erklärte auf Anfrage von NDR und WDR, die Regierung der Region Kurdistan-Irak stehe in der Verantwortung. Sie habe sich zu einer "korrekten Nachweisführung der übergebenen Waffen verpflichtet" sowie dazu, das gelieferte Material im Einklang mit dem Völkerrecht einzusetzen. Eine Nachverfolgung einzelner Waffen durch deutsche Kräfte sei weder beabsichtigt noch möglich.