Tausende Regierungsgegner haben am Samstag im Kosovo gegen ein von der EU vermitteltes Abkommen zur Normalisierung der Beziehungen zu Serbien protestiert. Einige Demonstranten griffen die Polizei im Zentrum der Hauptstadt Prishtinë mit Brandsätzen und Steinen an. Mehrere Fensterscheiben des Regierungssitzes gingen zu Bruch, zudem brach ein Feuer in dem Gebäude aus. Es konnte schnell gelöscht werden. Die Sicherheitskräfte schossen mit Tränengas auf die Demonstranten.

Die Opposition stellt sich gegen das Vorhaben der Regierung, der serbischen Minderheit im Kosovo mehr Rechte zuzugestehen. Das Verfassungsgericht bezeichnete Teile des Paktes im Dezember als verfassungswidrig und forderte Veränderungen des Abkommens. Auch lehnt es die Opposition ab, einen Grenzstreit mit dem benachbarten Montenegro beizulegen, weil damit Gebietsverluste verbunden seien.

Der Oppositionspolitiker Fatmir Limaj von der Partei Initiative für das Kosovo forderte Neuwahlen und warf der Regierung vor, diese setze die Souveränität des Kosovos aufs Spiel. Die Opposition blockiert seit Wochen zudem immer wieder Parlamentssitzungen mit Tränengas, Eierwürfen und Pfeifkonzerten. Die Opposition hatte in dem Land mit zwei Millionen Einwohnern 200.000 Unterschriften für eine Volksabstimmung gesammelt, die von der Regierung aber abgelehnt wird.

Das Kosovo hatte sich 2008 einseitig für unabhängig von Serbien erklärt. Die serbische Regierung und die Kosovo-Serben erkennen die Unabhängigkeit aber nicht an. Eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Prishtinë und Belgrad ist aber Voraussetzung für den von Serbien gewünschten Beitritt zur Europäischen Union. Auch die Kosovo-Regierung strebt die Aufnahme in die EU an.