Der Terroranschlag von Istanbul mit mindestens acht getöteten Deutschen ist auf den Titelseiten zweier türkischer Zeitungen mit deutschen Schlagzeilen erschienen. "Im Herzen bei Euch" stand auf der Titelseite der Zeitung Habertürk. Die Zeitung Meydan erschien mit einer ebenfalls auf deutsch gehaltenen Schlagzeile. Dort stand in weißen Versalien auf schwarzem Grund: "Wir trauern".

Im Istanbuler Altstadtviertel hatte sich ein Selbstmordattentäter inmitten einer deutschen Reisegruppe in die Luft gesprengt. Die türkische Regierung macht die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) für den Anschlag in der Nähe der Blauen Moschee verantwortlich.

Zahlreiche Kommentatoren in Europa sind sich einig, dass der Anschlag Auswirkungen über die Grenzen der Türkei hinaus haben wird. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt: "Die verantwortungslose Kurdenpolitik schafft neue Flüchtlinge, die sich nach Europa aufmachen könnten; wenn die Türkei die Operationen gegen IS-Zellen im Land ausweitet – was überfällig wäre –, wird auch das einen Preis haben: Die Anschläge werden zunehmen, die Dschihadisten in andere Länder fliehen."

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Die Wiener Zeitung Der Standard kommentiert, die Anschläge in Istanbul – an einem von Touristen frequentierten Ort, zudem mehrheitlich von Ausländern – gehe einem "europäischen Publikum näher, als wenn am Vortag mehr als zehnmal so viele Iraker bei Attentaten sterben. Oder wenn in der vom syrischen Regime belagerten Stadt Madaja die Kinder verhungern". Was die Gefahr, die von den heutigen Krisen ausgehe, so bedrückend mache, sei, "dass die Brandherde fast alle zusammenzuhängen scheinen. Aus dem Rad, in das der islamistische Terror Europa zwingt, ist fast nicht mehr herauszukommen".

Darüber hinaus steht die türkische Regierung für ihren Anti-Terror-Kampf, insbesondere ihren Umgang mit den Kurden, in der Kritik. Die Neue Zürcher Zeitung schreibt: "Einmal mehr muss sich die türkische Regierung fragen lassen, was sie eigentlich gegen die Bedrohung unternimmt, die vonseiten türkischer IS-Rückkehrer und IS-Sympathisanten ausgeht. Auch sollte sie überdenken, ob sie im 'Krieg gegen den Terror' nicht die falschen Prioritäten setzt." Der Kommentator stellt die Frage, ob Erdoğan begriffen habe, "welche Folgen das für die Sicherheit im eigenen Land hat, oder nimmt er den Terroranschlag von Istanbul wirklich nur als Schicksalsschlag wahr? Würde die Regierung nur halb so viel Kräfte gegen den IS aufbringen, wie sie mit Gewalt im kurdischen Südosten agiert, hätte der IS nicht ein so leichtes Spiel".

Die französische Tageszeitung Le Figaro kommentiert: Der Anschlag sollte Präsident Recep Tayyip Erdoğan dazu bringen, die Gefahr für sein Land neu einzuschätzen. "Seine Offensive gegen die Kurden hat zur Konsolidierung seiner Macht bei den Wahlen im November beitragen können. Doch sie ändert nichts an der Tatsache, dass die Kurden wichtigster Schutzwall gegen den 'Islamischen Staat' (IS) im Irak und in Syrien sind." Dagegen gebe es nur ein Mittel: Erdoğan müsse sich voll und ganz an dem Kampf seiner Nato-Verbündeten gegen den IS beteiligen.

In Spanien schreibt El País: "Die Türkei spielt im Kampf gegen den Terror eine Schlüsselrolle und benötigt alle erdenkliche Hilfe." Der IS müsse die eindeutige Botschaft erhalten, dass mit jedem Anschlag die Entschlossenheit wachse, die Terrormiliz zu bekämpfen. Das Attentat von Istanbul sollte zur Folge haben, dass "die internationale Zusammenarbeit mit Ankara gestärkt wird".

Terrorismus - Türkei nimmt nach Anschlag drei Russen fest