Schaut man sich die Riege der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten an, kriegt man entweder das Grausen oder das Gähnen. Eigentlich wäre es darum mal höchste Zeit für eine dritte Partei, sagen sich auch die Amerikaner.

Immer mehr wünschen sich, dass endlich eine dritte Partei das verkrustete politische System aufbricht. Und dass ein unabhängiger Kandidat antritt, der weder den Demokraten noch den Republikanern angehört.

Mehr noch: Eine wachsende Zahl von politisch engagierten Bürgern wendet sich inzwischen von den zwei großen Parteien ab und lässt sich als sogenannte independents in den Wählerlisten registrieren, als parteipolitisch Ungebundene. Laut Umfragen soll diese Gruppe inzwischen auf fast 40 Prozent gestiegen sein.

Doch trotz allen Frusts wird es wahrscheinlich auch dieses Mal so wie immer sein: Demokraten wie Republikaner, die schon ewig die amerikanische Politik beherrschen, werden am Ende den Wettkampf unter sich ausmachen. Denn für dritte Parteien ist es verdammt schwer, erfolgreich zu sein, ebenso für einen unabhängigen Präsidentschaftskandidaten. Das alte System und die beiden großen Parteien sind zu mächtig.

Das heißt nicht, dass es ein independent nicht wieder einmal versuchen könnte. Michael Bloomberg, Ex-Bürgermeister von New York und Multimilliardär, wäre eine Option. Er hat gerade ein Expertenteam damit beauftragt, seine Chancen auszuloten.

Und dann gibt es zwei weitere Kandidaten, die, wenn sie von ihrer Partei nicht aufs Schild gehoben werden sollten, es allein versuchen könnten: Donald Trump, der skurrile Immobilienmilliardär und republikanische Präsidentschaftsbewerber spielt mit dem Gedanken, als "Unabhängiger" in den Ring zu steigen. Ebenso Bernie Sanders, der sich selber Sozialist nennt und – ohne selber Parteimitglied zu sein – derzeit für die Demokraten kandidiert.

"Unabhängig" ist ein sehr vager Begriff in der amerikanischen Politik. Doch anders als die Bushs, die Clintons, die Obamas oder die Kennedys sind Bloomberg, Trump oder Sanders keine Parteigewächse. Bloomberg kandidierte mal als Republikaner, mal als Unabhängiger. Der äußerst skurrile Immobilienmogul Trump wechselte die Parteien wie seine Ansichten und seine Anzüge. Sanders, Senator aus Vermont, stand zwar meist links, wollte sich aber nie fest an die Demokraten binden.

Hohe Hürden in einem knallharten System

So gesehen war die Chance selten so groß wie jetzt, dass tatsächlich eine dritte Partei ins Parlament einrücken und ein "Unabhängiger" das Oval in Besitz nehmen könnte. KÖNNTE. Wären da nicht das knallharte politische System und schier unüberwindbare Hürden.

Dritte Parteien, von weit links bis weit rechts, hat es in der amerikanischen Geschichte immer wieder gegeben, doch ihr Einfluss blieb meist lokal begrenzt. Ebenso wenig mangelte es an unabhängigen Präsidentschaftskandidaten, doch auch ihnen war bislang kein Erfolg beschieden.

George Washington, der erste Präsident der Vereinigten Staaten, war bislang der einzige, der von Anfang bis Ende seiner Amtszeit parteilos blieb. Präsident Theodore Roosevelt überwarf sich weiland mit seiner Republikanischen Partei, bewarb sich 1912 als Kandidat der von ihm mitbegründeten Progressive Party – und verlor. Immerhin gewann er mit 27,5 Prozent fast ein Viertel aller Stimmen und sogar 88 Wahlmänner. 270 Wahlmänner braucht ein Kandidat, um Präsident zu werden.

Auch in den vergangenen Jahrzehnten gab es immer wieder unabhängige Bewerber, die gegen Demokraten und Republikaner antraten. Der erfolgreichste war der Milliardär Ross Perot, der mit seiner Reformpartei 1992 und 1996 gleich zweimal versuchte, das Weiße Haus zu erobern. Das erste Mal holte er sogar 18,9 Prozent, allerdings keinen einzigen Wahlmann.