Entspannung ist nicht in Sicht – im Gegenteil. In Griechenland, dem südlichen Ausgangspunkt der Balkanroute, verschärft sich derzeit die Lage für die Flüchtlinge. Der Grund: Seit Sonntag lassen im Norden des Landes an der Grenze zu Mazedonien die dortigen Behörden keine Flüchtlinge aus Afghanistan mehr ins Land. Damit hat Mazedonien auf die Einführung von Tagesquoten für Flüchtlinge durch die Regierung in Wien reagiert – die sich wiederum mit der Bundesregierung über die Weiterleitung der Migranten Richtung Deutschland streitet. Ein Überblick über die wichtigsten europäischen Brennpunkte.

Lesbos

Die griechische Insel im Osten der Ägäis gilt als wichtigster Zielort für die Flüchtlinge, die sich von der türkischen Küste auf den Weg nach Europa machen. Im vergangenen Jahr kam der Großteil der mehr als 800.000 Migranten, die Griechenland erreichten, auf der Insel an. Auch jetzt stranden fast jeden Tag Boote mit erschöpften Flüchtlingen vor Lesbos.

Dass viele Flüchtlinge auch weiterhin den Weg über die Meerenge zwischen dem türkischen Festland und den griechischen Inseln suchen, machten am Dienstag die EU-Grenzschutzagentur Frontex und die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf deutlich. Wie Frontex-Exekutivdirektor Fabrice Leggeri in Berlin erklärte, wurden seit Beginn des Jahres mehr als 82.000 irreguläre Grenzübertritte in Griechenland registriert, während gleichzeitig im westlichen Mittelmeer mehr als 6.000 Migranten gezählt wurden, die sich von Libyen aus auf den Weg nach Italien gemacht hatten.

Flüchtlinge - Hotspots auf den griechischen Inseln fertig In den Hotspots auf den griechischen Inseln sollen die Flüchlinge registriert und von dort aus in der EU umverteilt werden. Doch auf einen Verteilungsschlüssel können sich die Länder nicht einigen.

Die IOM schätzt derweil die Zahl der Flüchtlinge, die seit Beginn des Jahres über das Mittelmeer nach Europa gelangt sind, auf mehr als 100.000. Insgesamt erwartet Leggeri in diesem Jahr ähnlich hohe Flüchtlingszahlen wie 2015. Wenn die Zahlen 2016 im Vergleich zum Vorjahr stabil blieben, dann könne man sagen, "dass es kein schlechtes Jahr wäre", sagte der Frontex-Chef.

Für Lesbos, die drittgrößte Insel Griechenlands mit einer Fläche von 1.634 Quadratkilometern, haben die hohen Flüchtlingszahlen unübersehbare Folgen. Im vergangenen November hatte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR kritisiert, dass sich zwar 16.000 Asylsuchende auf der Insel aufhielten, aber nur 2.800 Unterkünfte zur Verfügung stünden. Wie die anderen hellenischen Inseln auch ist auch Lesbos lediglich eine Durchgangsstation auf dem Weg zum griechischen Festland.

Andererseits gilt Lesbos auch als Symbol der Hoffnung für die von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beschworene europäische Lösung der Flüchtlingspolitik. Denn dort, im Ort Moria, funktioniert einer jener fünf Hotspots zur Registrierung der Flüchtlinge, die Griechenland zum Schutz der EU-Außengrenzen auf Wunsch der EU-Partner aufbauen soll. Drei weitere Hotspots auf den Inseln Samos, Chios und Leros sind inzwischen fertig. Auf der Insel Kos wird derzeit daran gearbeitet, den Bau des letzten der geplanten Registrierzentren zu beenden.

Nach den Angaben der EU-Kommission macht die Registrierung der Flüchtlinge auf den griechischen Inseln inzwischen Fortschritte. Demnach werden inzwischen 78 Prozent der Flüchtlinge in Griechenland per Fingerabdruck registriert, während es im September nur acht Prozent gewesen waren. Frontex-Exekutivdirektor Leggeri sah bei seiner Bilanz zum Fortschritt bei der Erfassung der Flüchtlinge in Hellas am Dienstag Licht und Schatten: "Die Lage in Griechenland entwickelt sich in die richtige Richtung, ich würde aber hoffen, dass es schneller geht", sagte er. Derzeit helfen rund 500 Frontex-Beamte in Griechenland bei der Registrierung der Schutzsuchenden mit.

Mazedonisch-griechische Grenze

In den vergangenen Wochen wurde zwischen dem griechischen Grenzort Idomeni und dem mazedonischen Gevgelija eine zweite Barriere errichtet. Das Aufgebot an Polizei und Militär ist so hoch, dass wirklich keiner durchkommt, dem dies nicht gestattet wird. Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak durften am Dienstag die griechisch-mazedonische Grenze passieren. Dagegen werden Afghanen nun genauso behandelt wie Marokkaner oder Iraner, die schon seit November nicht mehr nach Mazedonien hineingelassen werden. Dutzende Busse standen schon bereit, um Tausende gestrandete Flüchtlinge zurück nach Athen zu bringen. Auch im Hafen in Piräus sammeln sich immer mehr Leute, die nicht weitergelassen werden. In einer gemeinsamen Erklärung von EU-Flüchtlingskommissar Dimitris Avramopoulos und dem niederländischen Migrationsminister Klaas Dijkhoff hieß es, dass die Entwicklungen auf der Balkanroute vor allem in Griechenland eine humanitäre Krise befürchten ließen.