Die Partei des irischen Ministerpräsidenten Enda Kenny musste herbe Verluste hinnehmen. ©Clodagh Kilcoyne/Reuters

Der irische Premierminister Enda Kenny hat eine Niederlage seiner Koalition bei der Parlamentswahl eingestanden. Es sei "klar", dass die Koalition aus Fine Gael und Labour nicht bestätigt worden sei, sagte Kenny im Fernsehsender RTE. Der Regierungschef sprach von einer "Enttäuschung" für die Fine Gael. "Die Bevölkerung hat klar entschieden, diese Regierung nicht wiederzuwählen." Für die nun offenstehenden Optionen müsse abgewartet werden, bis alle Stimmen ausgezählt seien.

Nachdem alle 40 Wahlbezirke offizielle Erstrundenergebnisse gemeldet hatten, lag die Fine Gael bei 25,5 Prozent der Stimmen mit oberster Präferenz – im irischen Wahlsystem können die Wähler für mehrere Kandidaten stimmen, denen sie mit handschriftlichen Zahlen eine Präferenz geben können. Nach dieser Runde hatte die Partei bei der letzten Wahl im Jahr 2011 noch bei 36,1 Prozent gelegen.

Die konservative Oppositionspartei Fianna Fáil lag zu diesem Zeitpunkt mit 24,3 Prozent knapp hinter Fine Gael. Damit könnte sie ihre Zahl der Sitze möglicherweise verdoppeln. Labour erzielte dagegen nur 6,6 Prozent und damit 12,8 Prozentpunkte weniger als 2011. Wegen des komplexen irischen Wahlrechts müssen die Stimmzettel mehrmals ausgewertet werden. Sieger für alle 158 Parlamentssitze sollen voraussichtlich am Montag bekanntgegeben werden.

Auf Rang drei kam mit 13,8 Prozent die nationalistische Sinn Féin, die Verbindungen zur nordirischen Terrorgruppe IRA hat. Eine Zusammenarbeit mit den Nationalisten haben die beiden großen Parteien ausgeschlossen.

Schwierige Regierungsbildung

Trotz der herben Wahlschlappe lehnte Kenny einen Rücktritt ab. "Ich habe die Aufgabe und die Verantwortung, mit der Entscheidung des Volkes zu arbeiten, um dem Land eine stabile Regierung zu bringen", sagte er. "Das beabsichtige ich voll und ganz." Kenny warnte aber auch vor einer Neuwahl. Diese könnte seinem Land noch in diesem Jahr blühen, wenn er oder Oppositionsführer Micheál Martin es nicht schafften, miteinander oder mit anderen Parteien eine Regierungsmehrheit zu bilden, sagte er.

Ein Bündnis mit dem langjährigen Erzfeind Fianna Fáil wolle Kenny nicht in Betracht ziehen, bis ein vollständiges Wahlergebnis vorliegt. Solch eine Koalition würde als historisch gelten.