Nach den Anschlägen - Europa zeigt Solidarität mit Belgien Europäische Städte bekunden Anteilnahme und Solidarität nach den Anschlägen in Belgien. Verschiedene europäische Sehenswürdigkeiten leuchteten in der Nacht in den Farben der belgischen Flagge.

Am Tag nach den Anschlägen in Brüssel ist der Schock noch immer groß. Die Kommentare in den Zeitungen schwanken zwischen Fassungslosigkeit und Aufforderungen, die freiheitliche Gesellschaftsordnung nicht preiszugeben. Diskutiert werden in der Presse vor allem die Parallelen zu den Anschlägen am 13. November 2015 in Paris und welche Folgen die Ereignisse für Belgien haben. 

"13. November 2015 – 22. März 2016. 130 Tage sind vergangen. Der gleiche Horror. Der gleiche blinde und mörderische Hass", schreibt die belgische Zeitung La Dernière Heure zu den Anschlägen. Auch De Morgen, ebenfalls aus Belgien, zieht Parallelen zu Paris, jedoch auch, was die mangelnde Integration junger Muslime als Ursache angeht: "Losgelassene Jugendliche mit einem Bein in der Kriminalität dürfen nicht glauben, dass sie in der Nachfolge der Abdeslams und Abaaouds eine zweite und heldenhaftere Karrierechance haben." Dass sich junge frustrierte Muslime dem IS anschließen, könne nur dann effektiv gestoppt werden, wenn es gelinge, diesen Jugendlichen eine Alternative zum Gefühl der Entwurzelung und Entfremdung zu bieten, schreibt die Zeitung.

Die belgische Tageszeitung Le Soir geht auf die Stimmung in Brüssel ein. Der nicht aufhörende Lärm der Krankenwagen, Feuerwehrautos und Polizeifahrzeuge überziehe die Stadt "wie eine offene Wunde". "Die Menschen halten an und schauen, wie betäubt. Ihre Augen sind leer. Sie wissen, dass das alles wahr ist. Sie wissen auch, dass sie es wussten: Dass es passieren würde, dass es passieren musste."

Wie es weitergehen soll? "Einigkeit macht stark", schreibt L'Avenir aus der belgischen Stadt Namur und ist sich sicher, dass das Land auch an den Terroranschlägen nicht zerbrechen wird. Auch der Kommentar der Sudpresse geht in diese Richtung und zieht Parallelen in die Vergangenheit: "Die Belgier haben gerade immer dann das Beste aus sich herausgeholt und das Land gerettet, wenn sie mit schwierigen Situationen konfrontiert waren – als sie sich dem Nationalsozialismus stellen mussten und dem politischen Terrorismus der extremen Rechten und Linken."

Auch in der französischen Presse waren die Anschläge ein großes Thema. Die konservative französische Tageszeitung Le Figaro sieht den Kurs Frankreichs nach den Anschlägen in Paris bestätigt und warnt vor weiteren Angriffen: "Für alle Europäer, Bürger wie Anführer, ist die Botschaft klar. Niemand kann sich vor der terroristischen Sturmwarnung in Sicherheit fühlen, die über den Kontinent hereinbricht. Die Deutschen, die Österreicher, die Griechen und andere, besessen von der humanitären Debatte und der logistischen harten Nuss des Andrangs Hunderttausender Migranten, warfen Frankreich bislang andeutungsweise seine Sicherheitsbesessenheit vor. Sie wurden in die Realität zurückgeholt: Sie sind vielleicht – zweifellos? – die nächsten auf der Liste und müssen sich darauf vorbereiten."

"Neue Runde der Gewissensprüfung"

Die New York Times fragt nach den Reaktionen, die auf die Anschläge folgen müssen. "Die Angriffe haben eine neue Runde der Gewissensprüfung eingeläutet: Müssen Europas Sicherheitsdienste ihre Anstrengungen verstärken, auch auf die Gefahr hin, dass dadurch bürgerliche Freiheiten eingeschränkt werden, oder sind solche Angriffe ein unvermeidbarer Teil des Lebens geworden?", fragt die Zeitung.

Der britische Guardian fragt sich ganz konkret, was der belgische Sicherheitsapparat hätte besser machen können. "Belgien hat versucht, eine wachsende Bedrohung mit einem relativ kleinen Sicherheitsapparat zu kämpfen. Obwohl Brüssel die diplomatische Hauptstadt der Welt ist, hat die belgische Staatssicherheit nur etwa 600 Mitarbeiter." Zusammen mit dem Militär ergebe das nur etwas mehr als 1.000 Sicherheitskräfte, um ein Land zu schützen, das nicht nur Sitz von Nato- und EU-Institutionen, sondern auch zahlreichen anderen Organisationen ist.

"Die permanente Unentschlossenheit der Europäer ist ein himmlisches Manna"

Auch in Rumänien macht man sich Sorgen vor weiteren Anschlägen. Zu den Anschlägen in Brüssel schreibt die liberale rumänische Tageszeitung Adevarul: "Die logische Frage ist, welche die nächsten Ziele in Europa sind, denn … es gibt keinerlei Zweifel daran, dass der Plan (für neue Terroranschläge) weiter umgesetzt wird." Die Zeitung mahnt die Verantwortlichen, entschieden zu handeln, denn: "Die permanente Unentschlossenheit der Europäer ist ein himmlisches Manna von dem jene profitieren, die einen breiten Krieg gegen Europa begonnen haben. Und dieser Krieg ist, wie der IS stets erklärt, erst am Anfang."

In Griechenland fragt die linke Zeitung I Avgi: "Was nun?" Alle verurteilten den Terrorismus, alle seien entsetzt, alle erklärten, man werde den Terrorismus besiegen, aber niemand könne sagen, wie. Vor allem werde nicht untersucht, was dazu führe, dass der Terrorismus immer größere Dimensionen annehme, schreibt das Blatt. "Wir brauchen Antworten darauf." In dieselbe Richtung geht die konservative Athener Zeitung Kathimerini: "Terror im Herzen Europas und niemand weiß, wie man das Phänomen stoppen kann."

Brüssel - Die Anschlagserie in Brüssel im Überblick Eine Anschlagserie im Flughafen und in der Metro erschütterte die belgische Hauptstadt Brüssel. Dutzende Menschen wurden getötet, Hunderte zum Teil sehr schwer verletzt.