Hallo zusammen, da bin ich wieder!

Sie und ich, wir kennen uns. Wir haben uns gut drei Jahre lang in meiner Kolumne Fett wie ein Turnschuh im Sportteil von ZEIT ONLINE getroffen. Aber mit den Jahren haben wir beide uns weiterentwickelt, und nun ist es so weit: Wir treffen uns stattdessen im Politik-Ressort – einem passenden Ort für gebildete Menschen, wie wir es sind.

Die erste Frage, die man sich bei der Geburt einer neuen Kolumne stellen muss, ist: Wie soll sie heißen? Nicht, dass ich mich für Namen interessiere oder wüsste, warum Kolumnen Namen brauchen, aber es ist hier so üblich und ich respektiere die einheimischen Sitten und Bräuche. In Deutschland sei Deutscher, sagt ein altes Sprichwort.

Um einen geeigneten Kolumnentitel zu erdenken, traf ich mich mit Steffen Dobbert, meinem geschätzten Redakteur, in einem Restaurant, in der Hoffnung, dass uns mit ein wenig gutem Essen und ein bisschen Alkohol ein Name erscheinen würde – irgendwo, irgendwie.

Aber nichts geschah. Nicht einmal ein Glas Cola Light mit tausend Eiswürfeln brachte eine Eingebung.

Aus lauter Verzweiflung machte Steffen einen Vorschlag: "Lass sie uns", sagte er, "Fett wie ein Turnschuh 2 nennen."
"Willst Du wirklich", fragte ich Steffen, "ganz Deutschland wissen lassen, dass wir dermaßen unkreative Menschen sind, dass uns nichts Besseres einfällt als Fett wie ein Turnschuh 2? Überhaupt, was soll 'Fett wie ein Turnschuh' mit Politik zu tun haben? Das ist so, als würde Spielberg einen Film über, sagen wir, eine schwule Liebesgeschichte in Mekka machen und ihn Schindlers Liste 2 nennen."

Um nicht durchzudrehen, wechselten wir das Thema und redeten über afghanische und syrische Flüchtlinge – großartige Themen, um sich dieser Tage in einem Berliner Restaurant den Bauch vollzuschlagen –, und dann sind wir beide auf einen großartigen Namen gekommen: Der ewige Jude.

Warum großartig? Weil die eigentliche Essenz der Kolumne, da waren wir uns einig, ihr "jüdischer" Blickwinkel sein sollte, will meinen, dass jeder Gegenstand streitbar und nichts festgelegt sein soll – genau wie im jüdischen Talmud.

Ja, stimmt schon: Der Titel Der ewige Jude hat ein bisschen eine Nazi-Konnotation. Aber dürfen wir den Nazis jetzt noch erlauben, mir den Namen meiner Kolumne vorzuschreiben, nach all den Jahren, die Hitler nun tot ist? Nein, das dürfen wir nicht.

Leichter gesagt, als getan.
Als wir die Idee ein paar Leuten von ZEIT ONLINE unterbreiteten, wäre denen fast das Herz stehen geblieben. Ihre Augäpfel traten hervor und ihre Münder machten derart seltsame Geräusche, dass wir augenblicklich wussten, dass wir die Idee aufgeben mussten.

Wir grübelten, grübelten und grübelten, bis Steffen, der nicht einen Tropfen Whisky getrunken hatte, unvermittelt ein Name einfiel: Allein unter Menschen.

Mein neues Motto: Allein unter Menschen.

Sofort danach begann ich, in Berlin herumzulaufen und mich allen Berlinern als Herr Allein-unter-Menschen vorzustellen.

Ich weiß nicht, wie gut Sie die Berliner kennen, aber es ist gar nicht so leicht, ihnen etwas vorzumachen. "Was soll das heißen, 'Allein unter Menschen'?", fragten sie. "Bist Du kein Mensch? Was bist Du dann? Ein Gott?"

"Nein", schrie ich. "Ich bin kein Gott. Unter keinen Umständen, würde ich mich auch nur für diesen Job bewerben. Lieber wäre ich ein syrischer Flüchtling, als Gott zu sein."

Sie sahen mich an und fragten: "Was soll das dann also heißen, 'Allein unter Menschen'?"

"Es ist, wie ein Flüchtling aus dem Mittleren Osten zu sein", antwortete ich.

Im selben Augenblick, in dem sie das hörten, verliebten sich diese Berliner in meine Idee. Das Zauberwort, glauben Sie es oder nicht, war Flüchtling. Ich kann es auch nicht erklären. Ich sagte refugee und sie sprangen auf vor Freude. "Allein unter Menschen", riefen sie, "ist der brillanteste Name für eine Kolumne überhaupt. Wir werden sie lesen, wir werden jede Folge mit allen unseren Freunden auf Facebook teilen und wir werden sie durch ganz Europa twittern."

Über Erfolg lässt sich nicht streiten. Allein unter Menschen ist es und wird es immer bleiben. Zumindest solange die Berliner Flüchtlinge lieben.

Ich hatte keine Ahnung, dass sie diese Liebe in sich trugen. Aber irgendjemand musste, während ich weg war, heimlich einen Schalter in meinen Berlinern umgelegt haben, sodass sie plötzlich auftauchte: diese neue Liebe zu Flüchtlingen.