"Wir werden das Altparteienkartell zerreißen!", tönte die Facebook-Seite der Berliner Jungen Alternative (JA) am vergangenen Montag nach dem AfD-Landesparteitag und verkündete einen Erfolg: Alle vier Kandidaten der Jugendorganisation haben es auf die Wahllisten für die Abgeordnetenhauswahl im September geschafft. Der Berliner JA-Landesverband positioniert sich selbst eindeutig im ultrarechten Parteiflügel um Björn Höcke, der an diesem Wochenende auf dem Bundesparteitag auftreten wird. Sollten dort die Nationalkonservativen dominieren, wird die AfD noch weiter nach rechts driften. Für die meisten "jungen Wilden", wie die Jungen Alternativen genannt werden, wäre das ein Erfolg, sie, die konservativen Rebellen treiben den Rechtsruck der Partei voran.

Ebenso wie die Jugendorganisationen der von ihr verachteten "Altparteien" bemüht sich auch die JA darum, ihre Mutterpartei an Schärfe und Radikalität zu übertreffen. Um an Einfluss zu gewinnen, baut sie europaweit ein eigenes Netzwerk auf. Das zeichnete sich bereits ab, als Bernd Lucke noch Parteichef war. Im März 2014 provozierten die Jungalternativen mit einer Facebook-Kampagne gegen Feminismus. ("Ich bin keine Feministin, weil mein Mann mein Fels in der Brandung ist und nicht mein Klassenfeind") Kurz darauf flogen sie den britischen Rechtspopulisten und EU-Gegner Nigel Farage (UKIP) zu einer Vortragsveranstaltung nach Köln ein. Luckes ausdrücklicher Protest gegen diesen Affront verhallte wirkungslos. Inzwischen arbeitet die JA an einer Kooperation mit putintreuen Nachwuchspolitikern, sucht die Nähe zu rechtsradikalen Gruppierungen und besetzt dort sogar wichtige Posten.

Moritz Brodbeck etwa, der Vorsitzende des Landesverbandes Baden-Württemberg, ist ein Aktivist der Identitären Bewegung, ebenso wie der Schatzmeister der Berliner JA, Jannik Brämer. Bei Demonstrationen treten Jungalternative immer wieder gemeinsam mit Identitären auf. Diese völkische Strömung beruft sich auf den französischen Rechtsintellektuellen Renaud Camus und behauptet, die Eliten würden die Migration forcieren, um langfristig einen "Großen Austausch" der Bevölkerung vorzunehmen. Die Identitären wollen ein "Europa der Vaterländer" errichten. Auch das Programm der Jungen Alternative fordert eine "demokratische Auflösung der Europäischen Union", die sie durch eine reine Wirtschaftsgemeinschaft ersetzen möchte.

Auch Burschenschaftler engagieren sich in der AfD-Jugend. Ende März 2014 musste der damalige stellvertretende JA-Vorsitzende Benjamin Nolte noch zurücktreten, nachdem seine Mitgliedschaft in der Burschenschaft Danubia bekannt geworden war. Nolte hatte bei einem Fest mit rassistischer Geste eine Banane überreicht.

Heute findet sich auf der Berliner Wahlliste der AfD Jörg Sobolewski, der Bundesvorsitzende des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft, in dem diverse Neonazis und NPD-Mitglieder organisiert sind. Sobolewski selbst ist der Chef des Ordnerdienstes der Berliner AfD und hielt im Februar eine Rede auf einer fremdenfeindlichen Demonstration im Spreewald, an der auch Neonazis teilnahmen. Auch dort sprach man vom angeblichen "Großen Austausch" der Deutschen.

Der Verband der Jungen Alternativen besteht seit 2013, wurde aber erst beim Parteitag am 28. November 2015 offiziell auf Bundesebene als Jugendorganisation anerkannt. Die JA verfügt über mehr als 1.000 Mitglieder, von denen der größte Teil gleichzeitig der AfD angehört. Geführt wird sie von einer Doppelspitze aus Sven Tritschler, 31, und Markus Frohnmaier, 25. Letzterer gehöre eindeutig zum rechten Flügel, betont Anna-Lena Herkenhoff von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Münster. Mit der Wahl Frohnmaiers habe sich ein Bedeutungsgewinn der Nationalkonservativen und damit ein Rechtsruck abgezeichnet, noch bevor dieselbe Entwicklung in der Mutterpartei zu erkennen war.