Der britische Premierminister David Cameron hat vor dem Unterhaus seine Pläne erläutert, mit denen er härter gegen Steuerflucht vorgehen will. Bei seinem ersten Auftritt im Parlament, seitdem die Panama-Papiere bekannt wurden, kündigte er ein Abkommen zum Informationsaustausch mit britischen Steueroasen in der Karibik an. "Es gibt keinen Zweifel, dass in einigen dieser Gebiete sehr schlechte Dinge geschehen", sagte er. Außerdem versprach er, gegen Firmen, die bei Steuerhinterziehung helfen, strafrechtlich vorzugehen.

In Bezug auf seine persönlichen Verwicklungen im Rahmen der Enthüllungen verwahrte sich Cameron allerdings gegen "tief verletzende und unwahre" Vorwürfe, sein Vater habe durch eine Offshore-Firma Steuern vermeiden wollen. Es sei "legitim", mit in Dollar gehandelten Papieren Geschäfte zu machen, sagte er.

Der Oppositionsführer Jeremy Corbyn von der Labour-Partei warf Cameron in der Debatte vor, die öffentliche Empörung der Menschen nicht zu erfassen. Die Äußerungen des Premiers seien eine "Lehrstunde in Sachen Ablenkung", sagte Corbyn. "Großbritannien ist im Zentrum des internationalen Steuerskandals", betonte der Labour-Politiker mit Blick auf die überseeischen Territorien des Landes, die als Steueroasen dienten. Mehr als die Hälfte der Firmen in den Panama-Papieren, in denen die Kanzlei Mossack Fonseca involviert sei, wären britisch. "Viele Menschen haben immer stärker das Gefühl, es gäbe ein Gesetz für die Superreichen und ein anderes für den Rest", sagte er. Die Enthüllungen bezeugten eine "zerstörerische globale Steuervermeidung".

Nach einem Zwischenfall wegen "unparlamentarischer Äußerungen" musste der Labour-Politiker Dennis Skinner den Saal verlassen. Er hatte den Premierminister als "Dodgy Dave" bezeichnet, also als "zwielichtigen Dave". Nachdem er seine Worte offiziell nicht zurücknehmen wollte, schickte ihn der Sprecher des Unterhauses, John Bercow, vor die Tür.


Cameron hatte am Sonntag als erster Premierminister Teile seiner Steuererklärung veröffentlicht. Weitere Politiker zogen nach, darunter Finanzminister George Osborne und der Londoner Bürgermeister Boris Johnson. Sie veröffentlichten am Montag eine Zusammenfassung ihrer Steuererklärungen.

Cameron hatte zuvor gefordert, dass hochrangige Politiker, die Verantwortung für die Finanzen des Landes tragen würden, ihre Steuererklärungen offenlegen sollten. Er schloss dabei auch die entsprechenden Politiker aufseiten der Opposition ein, die sogenannten Schattenminister. Im Parlament führte Cameron dazu weiter aus, er befürworte es nicht, dass alle Parlamentsmitglieder diese persönlichen Informationen preisgeben sollten. Würde das gefordert, müssten auch andere in der Öffentlichkeit stehende Personen wie Journalisten Details über ihre Steuerangelegenheiten veröffentlichen.

Dank der von Cameron angekündigten Abkommen sollen nun Listen der wahren Nutznießer von Briefkastenfirmen erstellt werden. Deren Namen werden momentan etwa durch sogenannte Scheindirektoren verschleiert. Das Register soll allerdings nicht öffentlich zugänglich sein, sondern nur für britische Behörden und für die anderer Länder. Keine Abkommen wurden außerdem bislang mit der Karibikinsel Anguilla und der Kanalinsel Guernsey erzielt.