Nah an einer Baumreihe schieben sich zwei Kampfpanzer voran. Sie sichern sich gegenseitig ab. Die Panzer vom Typ Leopard 2 gehören der Bundeswehr, sie rollen über einen deutschen Truppenübungsplatz, an Bord sind aber niederländische Soldaten. Sie dienen im Panzerbataillon 414, in das dauerhaft eine niederländische Kompanie integriert wird. Gleichzeitig werden deutsche Marinesoldaten unter niederländisches Kommando gestellt. Erstmals verzahnen die beiden Staaten einige Einheiten ihrer Streitkräfte.


Im Februar haben Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und ihre niederländische Kollegin Jeanine Hennis-Plasschaert in Amsterdam diese enge Zusammenarbeit vereinbart. Von der Leyen sprach von einem "Musterbeispiel für den Aufbau einer europäischen Verteidigungsunion". Die Ministerinnen unterzeichneten die Kooperationserklärung an Bord des niederländischen Versorgungs- und Unterstützungsschiffs Karel Doorman, hinter ihnen standen zwei Leopard-Panzer. Das Schiff kann solches Kriegsgerät in die Einsatzgebiete bringen und etwa an Stränden absetzen – eine Ressource, die bei der deutschen Marine knapp ist: Sie hat keine solchen Landungsschiffe.


Und damit ist die Bundeswehr kein Einzelfall. Vielen europäischen Armeen fehlen Schiffe, Flugzeuge oder Panzer für Missionen im Ausland oder sie verfügen nur über veraltetes Gerät. Die meisten europäischen Staaten erreichen bei Auslandsmissionen rasch ihre Belastungsgrenze. So zogen die Niederlande 2014 ihre Patriot-Luftabwehr-Systeme aus der Türkei ab, die dort wie die Raketen der Bundeswehr stationiert waren. Dieser Schritt beruhte "auf der militärischen Unfähigkeit, das Engagement länger aufrechtzuerhalten", stellt die Stiftung Wissenschaft und Politik aus Berlin fest.

Staaten stoßen an ihre Grenzen

Für die dänischen Kampfflugzeuge, die den Kampf gegen den "Islamischen Staat" ab Oktober 2014 unterstützten, war bereits im August 2015 die Mission wieder vorbei. "Danach mussten die Kampfflugzeuge zu Wartungsarbeiten für ein halbes Jahr nach Dänemark zurückbeordert werden – Ersatz war nicht verfügbar", heißt es in einer Studie der SWP. Diese beschäftigt sich auch mit Frankreich. Die Grande Nation stellte bei ihrer Intervention in Mali 2013 fest, allein nicht mehr für einen längeren Zeitraum militärisch handlungsfähig zu sein. "Bereits kurz nach Beginn der Operation mussten Verbündete in einigen Fähigkeitsbereichen wie Lufttransport, Luftbetankung und Aufklärung aushelfen."

Diese Fälle zeigen, dass eine engere Kooperation der Europäer in Sachen Auslandseinsätze und Verteidigung eigentlich zwingend wäre. "Der daraus resultierende Effizienzgewinn würde die europäische sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit steigern", stellt Torben Schütz von der SWP fest: "Militärische Spezialisierung und Aufgabenteilung würden es gestatten, nationale Ressourcen zielgerichteter einzusetzen. Dadurch ließen sich die Fähigkeitsbereiche stärken, auf die sich die jeweilige Nation in Material und Personal konzentrieren würde." Er spricht von der Logik der kleinen Zahlen, die für eine engere Zusammenarbeit spreche: Wenn Armeen und Verteidigungsetats schrumpften, bräuchten die einzelnen Staaten neue Konzepte für ihre Streitkräfte.

"Pooling and Sharing"

Warum braucht jedes EU-Mitglied eigene Abfangjäger, eine eigene Panzertruppe oder eigene Transportflugzeuge? Das Teilen solch teuren Kriegsgeräts gilt bereits als Lösung, die Wehretats zu entlasten. Vom "Pooling and Sharing" sprechen Militärs, wenn Staaten gemeinsam Rüstungsgüter anschaffen oder ein Land bestimmte Aufgaben für ein anderes übernimmt. So verfügen die baltischen Staaten über keine nennenswerte Luftwaffe. Dort sichern Nato-Partner den Luftraum, beispielsweise stellt die Bundeswehr regelmäßig fünf Eurofighter als Alarmrotte bereit.

Längst gibt es bereits auf Nato-Ebene mehrere Projekte, für die gemeinsam teure Rüstungsgüter angeschafft und unterhalten werden. So koordiniert ein Nato-Stab die Tankflugzeuge der einzelnen Staaten, betreibt eine Flotte von Awacs-Radar-Maschinen und auch Aufklärungsdrohnen vom Typ Global Hhawk kauft das Bündnis und stationiert diese in Italien, die einzelnen Mitglieder beteiligen sich finanziell an dem Projekt.

Das soll Vorbild für Europa sein. Die EU-Staaten haben im Dezember 2010 Pooling and Sharing als gemeinsame Strategie verkündet, mit der sie Haushaltsmittel einsparen und ihre militärischen Fähigkeiten steigern wollen. Mit stärker verzahnten und effizienteren Streitkräften könnte Europa schließlich gegenüber den alten Weltmächten USA, Russland, China und neuen starken Staaten wie Indien in der Sicherheitspolitik selbstbewusster auftreten.