Der Humor von ZDF-Moderator Jan Böhmermann ist mal wieder Gegenstand diplomatischer Beziehungen: Bei einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Böhmermanns Gedicht über Staatschef Recep Tayyip Erdoğan geäußert. Die Kanzlerin und Davutoğlu seien sich einig gewesen, dass es sich dabei um einen "bewusst verletzenden Text" handele, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit.

In der vergangenen Ausgabe von Böhmermanns Sendung Neo Magazin Royale hatte der Moderator eine "Schmähkritik" über Erdoğan präsentiert und selbst darauf hingewiesen, dass so etwas in Deutschland nicht erlaubt sei. Hintergrund der Aktion ist ein NDR-Beitrag des Satiremagazins extra 3 von Mitte März. Darin werden Verletzungen der Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei sowie das Vorgehen der türkischen Armee gegen Kurden kritisiert. Kurz nach der Ausstrahlung hatte die türkische Regierung den deutschen Botschafter einbestellt und die Löschung des Beitrags verlangt.

Während der Satirebeitrag von extra 3 mittlerweile millionenfach geklickt und geteilt worden ist, wurde Böhmermanns Schmähung wenige Stunden nach der Ausstrahlung der Sendung aus der Mediathek des ZDF gelöscht. "Die Parodie zum Umgang des türkischen Präsidenten mit Satire entspricht nicht den Ansprüchen, die das ZDF an die Qualität von Satiresendungen stellt", teilte der Sender auf Twitter mit. Auswirkungen auf zukünftige Sendungen habe die Aktion jedoch nicht.

Tatsächlich hat das Bundesverfassungsgericht zu Schmähungen als Form überzogener Kritik eine eindeutige Position: Wird ein Dritter herabgesetzt und diffamiert, steht das Persönlichkeitsrecht über dem Recht auf freie Meinungsäußerung. 

Böhmermann, der mit seinen Versen den türkischen Staatschef rassistisch beleidigte, zeigte sich von der Löschung nicht sonderlich überrascht. "Ich denke, wir haben heute am 1. April 2016 gemeinsam mit dem ZDF eindrucksvoll gezeigt, wo die Grenzen der Satire bei uns in Deutschland sind. Endlich!", twitterte er.

Regierungssprecher Seibert erklärte, auch die Kanzlerin habe im Gespräch mit dem türkischen Ministerpräsidenten die Grenzen der Pressefreiheit deutlich gemacht. Merkel habe den hohen Wert bekräftigt, den die Bundesregierung der Presse- und Meinungsfreiheit beimesse. Diese sei aber nicht schrankenlos, hieß es. Demnach habe Merkel darauf hingewiesen, dass das ZDF den Beitrag zeitnah gelöscht habe.