Hunderte Politiker, Prominente und Sportgrößen betreiben in Steueroasen Geheimgeschäfte in bislang ungeahntem Ausmaß. Der Süddeutschen Zeitung und dem International Consortium for Investigative Journalists (ICIJ) liegen Daten und Unterlagen einer panamaischen Kanzlei vor, die das belegen sollen. 

Die Unterlagen zeigen, wie sie in Geschäfte mit Offshore-Konstruktionen verstrickt sind. Das Leck umfasst E-Mails, Urkunden, Kontoauszüge, Passkopien und weitere Dokumente zu rund 214.000 Gesellschaften, vor allem in Panama und auf den Britischen Jungferninseln. Die sogenannten Panama Papers zeigen, wie Netzwerke aus Banken, Anwaltsfirmen und anderen Vermittlern zweifelhafte Vermögen in Steueroasen verstecken.

Die Daten legen die Offshore-Geschäfte von insgesamt 140 Politikern und hohen Amtsträgern aus aller Welt offen. In den Unterlagen finden sich die Namen von zwölf amtierenden und ehemaligen Staats- und Regierungschefs, zum Beispiel die Premierminister von Island und Pakistan und die Präsidenten von Argentinien und der Ukraine. In den Unterlagen tauchen aber auch Namen von Spionen, Drogenhändlern und anderen Kriminellen auf. Zudem haben zahlreiche Sportstars und Prominente Offshore-Firmen genutzt.

Panama Papers - Recherchenetzwerk enthüllt globalen Finanzbetrug Ein internationaler Zusammenschluss aus Redaktionen hat durch zugespielte Dokumente ein weltweites Netz an Steuerbetrügern enthüllt. Viele Briefkastenfirmen in Panama verschleierten über Jahre die Kapitalflucht.

Die Kanzlei hat demnach mehr als 200.000 Offshore-Firmen gegründet – darunter etliche, die offenbar engen Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin gehören: Aus den Panama Papers geht hervor, dass zahlreiche seiner Weggefährten in den vergangenen Jahren mehr als zwei Milliarden Dollar durch Briefkastenfirmen geschleust und dabei hohe Millionenbeträge außer Landes geschafft haben. 

Lionel Messi betroffen

Auch zur Fifa-Affäre gibt es Spuren. So soll der uruguayische Anwalt Juan Pedro Damiani, Mitglied in der rechtsprechenden Kammer der Fifa-Ethikkommission, drei Angeklagten im Fifa-Skandal zu Offshore-Firmen verholfen haben, über die möglicherweise Fußballfunktionäre bestochen worden sein sollen.

Die Ethikkommission hat interne Vorermittlungen gegen Damiani eingeleitet. Damiani teilte der Süddeutschen Zeitung mit, die Kommission über die Geschäftsverbindungen informiert zu haben; allerdings geschah dies wohl erst nach der Anfrage zu den Panama Papers.

Neben dem Fußballverband ist offenbar auch Lionel Messi betroffen. Der mehrfache Weltfußballer soll gemeinsam mit seinem Vater, Jorge Horácio Messi, die Firma Mega Star Enterprise besitzen, die von mehreren Scheindirektoren geleitet wird. Gegen Messi läuft in Spanien bereits ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung. Ihm werden drei Delikte im Zusammenhang mit anderen Offshore-Firmen vorgeworfen. Der Prozess soll am 31. Mai beginnen. Welche Rolle Mega Star Enterprise im Geflecht der Offshore-Konten der Messis spielte, gehe aus den Dokumenten nicht hervor, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Mossack Fonseca ist einer der Marktführer

Die Daten stammen von der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca. Gegründet von dem 68-jährigen deutschen Anwalt Jürgen Mossack, verkauft die Kanzlei seit fast 40 Jahren anonyme Briefkastenfirmen, meist ausgestattet mit Scheindirektoren, um zu verschleiern, wer sich dahinter verbirgt. Mossack Fonseca ist einer der weltweit größten Anbieter dieser Dienste.

Panama ist einer der wichtigsten Finanzplätze in Lateinamerika. Ein äußerst liberales Bankengesetz hat zahlreiche Kreditinstitute nach Mittelamerika gelockt. Derzeit sollen etwa 90 Banken Einlagen in Höhe von rund 65 Milliarden US-Dollar verwalten.

Nachdem sich die Schweiz zuletzt von ihrem Bankgeheimnis verabschiedet hatte, galt Panama vielen als neue Steueroase. Immer wieder gibt es Berichte über illegale Transaktionen. In den 1980er Jahren war das Land das Bankenzentrum der kolumbianischen Drogenkartelle. Zuletzt bemühte sich Panama allerdings darum, dieses Image loswerden und sich als seriöser Finanzplatz zu positionieren.

2,6 Terabyte an Daten

So erließ die Regierung eine Reihe neuer Richtlinien für Banken, Versicherungen, Immobilienfirmen sowie Wertpapier- und Edelsteinbörsen. Im Februar strich der OECD-Arbeitskreis für Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung (Gafi) Panama von der grauen Liste, auf der Staaten geführt werden, die beim internationalen Austausch von Finanz- und Steuerinformationen noch hinterherhinken.

Eine anonyme Quelle hat die Unterlagen zu Mossack Fonseca der Süddeutschen Zeitung überlassen, die sie mit dem Internationalen Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ) teilte. Das ICIJ ist ein unabhängiges, mit Spenden finanziertes Netzwerk von rund 180 Investigativjournalisten. Über dieses Netzwerk wurden mehr als hundert Medienunternehmen in 76 Ländern an den Recherchen beteiligt, darunter NDR, WDR, BBC, Guardian, Le Monde und Haaretz.

Insgesamt umfasst das Leck 11,5 Millionen Dateien, der größte Teil davon aus den Jahren 2005 bis 2015. Der Datensatz ist 2,6 Terabyte groß. Die Rechercheergebnisse betreffen nahezu jedes Land der Erde.