Der ARD-Korrespondent Volker Schwenck ist von Istanbul zurück nach Kairo geflogen. Dem Journalisten war zuvor die Einreise in die Türkei verweigert worden. Der Leiter des ARD-Fernsehstudios in Kairo sei am Flughafen Istanbul festgesetzt worden, teilte ein Sprecher des Südwestrundfunks (SWR) mit. Schwenck kam demnach aus Kairo und war auf dem Weg zu einer Reportage über Flüchtlinge im türkisch-syrischen Grenzgebiet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich am Nachmittag besorgt, ihr Stellvertreter Sigmar Gabriel (SPD) sprach von einem "mehr als problematischen Akt".  

Noch ist unklar, was genau am türkischen Flughafen passiert ist. Auch Schwenck konnte zunächst nicht sagen, warum er in einen Abschieberaum gebracht und dort knapp zwölf Stunden festgehalten wurde. Am Morgen schrieb er auf Twitter, ihm sei mitgeteilt worden, dass es einen Vermerk zu seinem Namen gegeben habe. In den ARD-Tagesthemen sagte Schwenck, es sei von Grenzverletzung die Rede gewesen, ein genauer Grund sei ihm aber nicht genannt worden. Die Beamten hätten ihn anständig behandelt und er habe sich in der Polizeistation frei bewegen dürfen.

Schwenck berichtet häufig aus Nordsyrien

Schwenck hatte in der Vergangenheit häufiger aus den Rebellengebieten in Nordsyrien berichtet, in die Journalisten in der Regel über die Türkei einreisen. Die Türkei hat solche Reisen lange geduldet oder sogar erlaubt, wertet sie inzwischen aber als illegale Grenzübertritte.

In den vergangenen Monaten ist mehreren Journalisten die Einreise in die Türkei verweigert worden. Andere wurden unter anderem wegen illegalen Grenzübertritts von Syrien ausgewiesen.

Kanzlerin Merkel sagte, das Auswärtige Amt sei in ständigem Kontakt mit allen notwendigen Stellen und setze sich auch dafür ein, dass die Arbeitsfähigkeit des Journalisten schnell wiederhergestellt werde. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, Mitarbeiter des deutschen Generalkonsulats seien zum Flughafen gefahren, um Kontakt mit dem Deutschen aufzunehmen, dem die Einreise verweigert worden sei. Auch hochrangige Vertreter der Zentrale hätten direkten Kontakt zu ihm gehabt.

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) kritisierte "ein frag- und kritikwürdiges Verständnis von Presse- und Informationsfreiheit" in der Türkei. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) bezeichnete das Einreiseverbot als "Schikane". Nun räche sich "das Entgegenkommen der Bundeskanzlerin im Fall Böhmermann gegenüber dem türkischen Präsidenten Erdoğan".

Kein Bezug zu Böhmermann-Fall

Konkrete Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Einreiseverbot für Schwenck und dem Fall Böhmermann gibt es nicht. Das juristische und diplomatische Vorgehen der Türkei gegen den ZDF-Satiriker Jan Böhmermann wegen dessen Schmähgedichts gegen den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan hatte hitzige Debatten in Deutschland entfacht und über die Landesgrenzen hinaus für Aufsehen gesorgt.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner forderte Merkel auf, bei ihrer Türkei-Reise am kommenden Samstag das Thema Pressefreiheit anzusprechen. "Die Festsetzung des ARD-Korrespondenten passt leider in die repressive Politik, welche die Türkei im Hinblick auf die Presse- und Meinungsfreiheit in den letzten Monaten vollzieht."