Offiziell hat Christian Kern sein neues Amt als Bundeskanzler von Österreich noch nicht angetreten, aber seine Regierungsmannschaft steht. Der bisherige Bahn-Chef tauscht drei der sechs SPÖ-Minister in der rot-schwarzen Koalition aus, melden mehrere österreichische Medien. Demnach soll die Vorsitzende der Rektorenkonferenz, Sonja Hammerschmid, das Bildungsministerium leiten. Das Kulturressort übernimmt der Generaldirektor der Vereinigten Bühnen, Thomas Drozda. Chef des Infrastrukturministeriums wird der bisherige Landesverkehrsminister der Steiermark, Jörg Leichtfried.

Kern, der sich als Manager Respekt erworben hat, soll die Nachfolge von Werner Faymann antreten, der vergangene Woche zurückgetreten war. Nach seinem Hin und Her bei der Flüchtlingspolitik und der umstrittenen Annäherung an die rechtspopulistische FPÖ hatte er den Rückhalt seiner Partei verloren.


Kern soll am späten Nachmittag vom scheidenden Bundespräsident Heinz Fischer vereidigt werden. Dessen Nachfolger wird am Sonntag gewählt. Dann treten der FPÖ-Politiker Norbert Hofer und der Grüne Alexander van der Bellen in einer Stichwahl gegeneinander an. In einem Fernsehduell hatten sie sich erbittert gestritten. Sollte sich der ebenso umstrittene wie favorisierte Hofer durchsetzen, sehen Koalitionspolitiker das Land vor einer außenpolitischen Isolation.

Der ÖVP-Politiker Franz Fischler, früherer Landwirtschaftsminister und Ex-EU-Kommissar, sagte im Deutschlandfunk, auch wenn niemand mehr die zerstrittene rot-schwarze Koalition wolle, sei die Wahl Hofers kein Ausweg. Österreich drohe autoritärer zu werden. Der neue Kanzler Kern müsse schnell Projekte auf den Weg bringen, die vor der nächsten Wahl Wirkung zeigen. Ansonsten steuere das Land auf italienische Verhältnisse zu, wo gemäßigtere Parteien völlig verschwänden.