Wegen der anhaltenden Terrorgefahr hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) die Bevölkerung zu mehr Wachsamkeit aufgerufen. Nötig sei eine "erhöhte Achtsamkeit, wenn sich Familienangehörige, Nachbarn oder Freunde radikalisieren", sagte der Minister der in Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post. "Das muss Teil unserer Sicherheitsarchitektur sein." Derartige Hinweise seien für die Behörden unverzichtbar für die Vereitelung von Terroranschlägen.

Die Radikalisierung erfolge nicht nur im Internet, sondern beginne regelmäßig auch im persönlichen Umfeld der Menschen, sagte de Maizière. Die Gefahr eines Anschlags in Deutschland bestehe fort, warnte der Minister. "Wir müssen uns inzwischen sowohl auf Einzelattentate als auch auf gemischte Anschläge wie in Paris und international koordinierte Terroranschläge vorbereiten, nicht mehr nur auf eines dieser Szenarien."

Die jüngsten Anschläge auf einen Nachtclub in Orlando und auf ein Polizisten-Ehepaar in Paris waren möglicherweise von dschihadistisch radikalisierten Einzeltätern ausgegangen.

Nach den Terroranschlägen von Paris und Brüssel hatte die Bundesregierung auch vor Attacken in Deutschland in gewarnt. Die Bundesrepublik sei seit längerer Zeit ein potenzielles Anschlagsziel, hieß es. "Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass der internationale Terrorismus eine Dauerschleife um Deutschland herum zieht", betonte  Justizminister Heiko Maas (SPD).

Seit der Jahrtausendwende sind nach Angaben von BKA-Chef Holger Münch elf Terroranschläge in Deutschland durch Sicherheitskräfte und Antiterror-Ermittler verhindert worden. Aktuell gebe es keine konkreten Hinweise auf einen Anschlag. Derzeit zählt die Behörde allerdings 470 islamistische Gefährder. Ihnen wird die Durchführung einer erheblichen Straftat zugetraut. Vor allem in Bremen, Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen sind überproportional viele gemeldet. Die Zahl sei in den vergangenen Jahren stark gestiegen, erklärte Münch.

Extremismus - Dschihadisten rekrutieren ähnlich wie manche Sekten Dschihadistische Gruppen werben laut Experten auf eine ähnliche Art um junge Mitglieder, wie manche Sekten an neue potenzielle Mitglieder herantreten. Wer ist anfällig für Radikalisierung und was sind die Parallelen zu gefährlichen Sekten?