Bundestagspräsident Norbert Lammert wird 2017 nicht mehr für den Deutschen Bundestag kandidieren. Nach vier Jahrzehnten in der Politik wolle er aus persönlichen Gründen seine Ämter im Bundestag aufgeben, sagte ein Sprecher des Bundestags.

"Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschieden, bei den Bundestagswahlen 2017 nicht wieder zu kandidieren. Der Abschied aus der aktiven Politik fällt mir nicht leicht, da ich meine Aufgaben in Berlin wie im Wahlkreis nach wie vor gerne und mit ganzer Überzeugung wahrnehme und mich über den Zuspruch freue", schrieb Lammert an den Vorsitzenden des CDU Kreisverbandes Bochum, Christian Haardt, sowie den Landesvorsitzenden der CDU Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet. Lammert sitzt seit 37 Jahren für die CDU im Bundestag. Nun sei die Zeit für einen Wechsel gekommen, schrieb der 67-Jährige, "zumal auch ich nicht immer jünger werde". Er habe es immer als Ehre und Privileg empfunden, seinen Beitrag zur Entwicklung des Landes leisten zu dürfen.

"Das ist ein herber Verlust für Deutschland, für Bochum und vor allem für die CDU", sagte der CDU-Kreisvorsitzende Christian Haardt zu Lammerts Erklärung. Auch der Landeschef der CDU-Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, drückte sein Bedauern aus. "Er gehört zu den herausragenden Persönlichkeiten der deutschen Politik und ist über Parteigrenzen hinweg als Kämpfer für den Parlamentarismus und die Demokratie anerkannt", teilte Laschet in einer Erklärung mit. "Dem Deutschen Bundestag werden sein Humor, seine Wortgewalt und seine geistige Originalität fehlen."

Für den deutschen Parlamentarismus sei Lammert eine wichtige Figur gewesen, er habe sich für die Rechte des Parlaments gegenüber der Regierung eingesetzt. Der CDU-Politiker gilt als souverän und auch unbequem. Seit 2005 hat er sich als Bundestagspräsident Anerkennung über Parteigrenzen hinweg verschafft.

"Er hat das Amt des Parlamentspräsidenten, das er seit mehr als zehn Jahren innehat, in vorbildlicher Weise ausgefüllt. Seine Begabung Dinge feinsinnig zu beschreiben und trotzdem Klartext zu sprechen macht viele seiner Reden zu einem Erlebnis", sagte Haardt. Mehr als einmal stellte sich der CDU-Politiker aus dem einflussreichen Landesverband Nordrhein-Westfalen gegen Kanzlerin Angela Merkel und die Unionsfraktionsspitzen.

Gegenüber der Welt sagte der CDU-Vorsitzende Haardt: "Es gibt überhaupt keinen politischen Dissens. Es hat auch nichts mit irgendwelchen Dissonanzen auf der Kreisebene oder auf einer übergeordneten Ebene zu tun. Das ist eine Entscheidung ganz aus persönlichen Gründen. Wir müssen seine Entscheidung respektieren, so bedauerlich das ist."

In der Diskussion um die Nachfolge von Bundespräsident Joachim Gauck wurde Lammert wiederholt als möglicher Kandidat genannt. Er selbst bestritt eigene Ambitionen in der Wahl im Februar anzutreten. Von Parteifreunden heißt es, er sei beispielsweise wegen seiner anspruchsvollen Reden für das Amt geeignet, auch der Rückhalt aus der Union sei ihm sicher. Allerdings dürfte die Unterstützung der SPD fehlen.