Reden wir mal nicht über Donald Trump, jedenfalls nicht direkt. Über ihn ist eigentlich alles gesagt. Reden wir lieber über die republikanische Partei, die er sich für seine politische Karriere ausgesucht hat und die ihm gefolgt ist.

Donald Trump ist ja nicht vom Himmel gefallen oder, anders gesagt, plötzlich aus der Hölle aufgestiegen. Er war auch kein unbeschriebenes Blatt. Alles, was jetzt an ungeheuerlichen Äußerungen und grauenhaftem Benehmen an die Öffentlichkeit gerät, war in der einen oder anderen Weise bereits bekannt; seit Jahren schon.

Nein, Trump ist das Produkt dieser republikanischen Partei. Seit mindestens sieben Jahren ist diese Grand Old Party bis hinauf in ihre oberste Spitze auf Krawall gebürstet. Sie wurde von rechten Ideologen gekapert und erklärt knallharte Kompromisslosigkeit zur politischen Maxime. 

In der Tat sind die beiden großen Parteien, Demokraten wie Republikaner, in ihren Haltungen ideologischer und unnachsichtiger geworden. Aber keine treibt es so extrem wie die republikanische Partei.

Einst rühmte sie sich, ein großes Zelt zu sein, in dem viele Überzeugungen ihren Platz hatten. Dort versammelten sich Libertäre wie Etatisten, Staatsgegner wie Staatsverdrossene. Selbst einige Liberale fanden Unterschlupf in der Partei von Abraham Lincoln, die einst für die Abschaffung der Sklaverei und die Gleichberechtigung aller Rassen gekämpft hatte. Es ist schwer zu sagen, wann genau das Ganze kippte und das republikanische Zelt immer kleiner und enger wurde. Das geschah nicht plötzlich, nicht durch ein singuläres Ereignis, es passierte schleichend über viele Jahre.

Allerdings lässt sich sagen, dass die rechte Tea-Party-Bewegung ab 2009 das Zelt endgültig zum Einsturz brachte. In ihr sammelten sich die Extremen, die Kompromisslosen und ideologischen Sturköpfe. In deren Augen war der Staat von Übel, die Erhebung von Steuern eine Sünde und Einwanderung ein Einfallstor für Kriminelle, Islamisten und Nichtsnutze. Vom fürsorgenden Konservatismus, dem compassionate conservatism des George W. Bush blieb nichts übrig.

Obama als Volksverräter

Die Tea-Party-Bewegung gewann rasant an Einfluss. Kaum ein namhafter Republikaner wagte es noch, ihr die Stirn zu bieten. Unter republikanischen Abgeordneten und Senatoren entstand ein wilder Wettbewerb darüber, wer wohl der Tea Party am schnellsten die Wünsche von den Augen ablesen könne.

Diese rechte Bewegung veränderte auch den Ton der politischen Debatte. Er wurde schärfer, gemeiner, hässlicher und unerbittlicher. Tea-Party-Demonstranten hielten Plakate hoch, auf denen Obama ein Hitlerbärtchen trug. Republikanische Parlamentarier blieben stumm, wenn Anhänger der Tea Party den ersten schwarzen Präsidenten als Volksverräter beschimpften. Wenn sie behaupteten, Obama sei ein Muslim und nicht in Amerika geboren.

Donald Trump ist die logische Konsequenz dieses rechten Furors. Die Wut, der Hass, die ideologische Verblendung werden nicht über Nacht verschwinden, wenn Trump die Wahl – was immer wahrscheinlicher wird – verliert. Das wird der Partei weiter zusetzen, nicht auszuschließen, dass sie an ihren inneren Konflikten und Zerwürfnissen zerbricht und in mehrere Teile zerfällt.

Das muss nicht schlimm sein. Auch die Demokraten umschließen nicht mehr dasselbe breite Spektrum von Anhängern wie früher. Zu Hillary Clinton halten viele Demokraten nur zähneknirschend. Eine wachsende Wählerzahl fühlt sich nicht mehr aufgehoben in den zwei großen Parteien.

Geht nach der Wahl ein Ruck durch die USA?

Das wundert nicht. Die Welt ist kompliziert, die Lösungen der Probleme ebenso, die Vorstellungen und Zukunftswünsche der Menschen sind höchst unterschiedlich. Es erstaunt eher, dass in den Vereinigten Staaten von Amerika bislang immer noch zwei Parteien die Politik beherrschen.

Das liegt auch an dem in Beton gegossenen System, das es anderen Parteien ungeheuer schwer macht, organisatorisch Fuß zu fassen, Geld aufzutreiben, Mandate zu erringen und an der Macht teilzuhaben. Bislang sind alle Versuche gescheitert. Selbst unabhängige Präsidentschaftskandidaten, die weder Republikaner noch Demokraten waren, hatten bislang nicht den Hauch einer Chance.

Aber vielleicht geht nach dieser Wahl ein Ruck durch das Land und vielleicht revoltieren genügend Bürger gegen das erstarrte System. In den meisten europäischen Ländern wetteifern inzwischen Dutzende von Parteien miteinander.

Diese völlige Zersplitterung der politischen Landschaft muss nicht unbedingt ein Vorbild sein. Die Aufteilung der Macht zwischen nur zwei Parteien ist aber auch kein demokratisches Meisterstück. Warum also sollten sich die vielen unzufriedenen Amerikaner auf Dauer mit Demokraten und Republikanern begnügen?