Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf ist in seiner heißen Phase – nicht nur in den USA. Vor allem die Demokraten versuchen auch außerhalb der Staatsgrenzen Amerikas, US-Staatsbürger an die Wahlurne zu bringen. Trump soll um jeden Preis verhindert werden, auch durch die Hilfe von Amerikanern im Ausland.

Laut Statistischem Bundesamt leben 100.000 amerikanische Staatsbürger in Deutschland. Weltweit sind es laut einer Studie der Universität Oxford etwa acht Millionen. Das ist eine substanzielle Masse, nur zwölf der 50 Staaten haben mehr Einwohner.

Bisher haben sich im Ausland lebende Amerikaner allerdings nicht sehr wahlfreudig gezeigt. Bei den Präsidentschaftswahlen 2012 gaben lediglich zwölf Prozent der Oversea Voters ihre Stimme ab. Selbst junge Erwachsene, die in den USA traditionell am seltensten Wählen, kommen auf eine deutlich höhere Quote.

Schon in den 1960er Jahren riefen die Demokraten mit den Democrats Abroad eine Organisation ins Leben, die im Ausland lebende Parteimitglieder vertritt und die Wahlbeteiligung von ausgewanderten Amerikanern steigern soll. Quaide Williams ist Vorsitzender der deutschen Abteilung der Democrats Abroad. Er sagt, er finde es peinlich, dass nur so wenige im Ausland lebende Amerikaner von ihrem Stimmrecht Gebrauch machten. Ein Grund dafür sei, dass der Wahlprozess vielen zu kompliziert vorkomme. Wer in Amerika seine Stimme abgeben möchte, muss sich zuvor zur Wahl registrieren lassen. Regeln und Fristen dazu sind von Staat zu Staat unterschiedlich. Williams will das als Argument nicht gelten lassen, durch das Internet sei die Registrierung mittlerweile simpel geworden. In der Vergangenheit wurden diverse Organisationen gegründet, die die Registrierung so einfach wie möglich machen sollen: Auf den Websites der Overseas Vote Foundation oder des Federal Voting Assistance Program finden Wähler notwendige Informationen und können sich online registrieren. Auch die Democrats Abroad bieten auf ihrer Homepage ein solches Tool an.

Wahlkampf auch in deutschen Städten

Quaide Williams und seine Kollegen unternehmen große Anstrengungen, um in Deutschland lebende Amerikaner zu erreichen. Am effektivsten gelinge das mit Werbung auf Facebook und YouTube, wo man gezielt Amerikaner ansprechen könne, sagt Williams. Darüber hinaus betreibe die Organisation sogenanntes Phonebanking: Sie telefoniere Tausende Mitglieder ab, um sie an die Wahl zu erinnern. Eine Methode, die in Deutschland ungewöhnlich wirkt, in Amerika aber üblich ist. Auch im öffentlichen Raum machen die Democrats Abroad auf sich aufmerksam. Tübingen, Berlin, Münster, Heidelberg: In mehr als zehn deutschen Innenstädten organisieren Ortsverbände Stände mit Informationen über die Kandidatin und zur Registrierung. Auch das sei sehr erfolgreich, sagt Williams. An einem guten Tag würde er mit über 100 Amerikanern in Kontakt treten. Teilweise würden diese durch Facebook-Werbung auf die Aktionen aufmerksam und kämen deshalb vorbei. Man treffe aber auch viele amerikanische Passanten, die den Stand zufällig entdecken. Auch Gespräche mit interessierten Deutschen seien in der Regel sehr positiv, auch wenn es gelegentlich vorkomme, dass sich Passanten über die amerikanische Außenpolitik beschweren.

Unterstützung erhalten die Democrats Abroad von der Parteispitze. In einem kürzlich erschienenen Video wendet sich der demokratische Vizepräsidentschaftskandidat Tim Kaine an alle im Ausland lebenden Amerikaner und fordert sie dazu auf, von ihrer Stimme Gebrauch zu machen. "Die Demokraten legen bei dieser Wahl besonders Wert auf die im Ausland lebenden Wähler. Sie glauben, dass diese eher progressiv und deshalb in der großen Mehrheit Clinton wählen", sagt der Amerika-Experte Boris Vormann von der Freien Universität Berlin.