Nach der Ankündigung von Martin Schulz, nicht für eine weitere Amtszeit als EU-Präsident zu kandidieren und in die Bundespolitik zu gehen, reagieren vor allem SPD-Politiker mit Bedauern und Lob zugleich: "Der Verzicht von Martin Schulz ist ein großer Verlust für das Europäische Parlament", schrieb SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann auf Twitter. Für den Deutschen Bundestag sei Schulz aber "ein großer Gewinn".

"Ich freue mich, dass er seine Erfahrung und seine Begeisterung für Europa in Zukunft in Berlin einbringen möchte", sagte SPD-Generalsekretärin Katarina Barley. Damit gehe eine Ära in Brüssel und Straßburg zu Ende. Mit Schulz als Präsident habe das Europaparlament an Einfluss und Ansehen gewonnen. "Ich kenne wenige, die die europäische Idee so verkörpern wie Martin Schulz", sagte Barley. "Europa hat ihm viel zu verdanken." Der Vorsitzende der Europa-SPD, Udo Bullmann, erklärte, Schulz' Weggang aus Brüssel werde in der EU "eine Riesenlücke hinterlassen". Unter seiner Präsidentschaft habe das EU-Parlament "das Ansehen und die Bedeutung errungen, die der europäischen Volksvertretung gebührt". Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bedauerte den Rückzug. Er hatte sich ausdrücklich für einen Verbleib von Schulz an der Spitze des Europaparlaments ausgesprochen, obwohl die Amtszeit des Sozialdemokraten nach einer Absprache mit den Christdemokraten eigentlich Anfang kommenden Jahres enden sollte.

Der Sprecher des einflussreichen linken Flügels in der SPD-Fraktion, Matthias Miersch, sagte: "Die Dinge fügen sich: Deutschland bekommt mit Frank-Walter Steinmeier einen tollen neuen Bundespräsidenten und mit Martin Schulz die Möglichkeit eines kompetenten und international anerkannten Nachfolgers als Außenminister". Das mache der Partei Mut für das Wahljahr 2017.  

Stärkerer Gegner für Merkel

Auch als Kanzlerkandidaten können sich die Deutschen Martin Schulz offenbar gut vorstellen und räumen ihm laut einer aktuellen Emnid-Umfrage bessere Chancen gegen Amtsinhaberin Angela Merkel ein als SPD-Chef Sigmar Gabriel. Demnach glauben 42 Prozent, Schulz könnte sich bei der Bundestagswahl im September 2017 gegen die CDU-Vorsitzende durchsetzen. 35 Prozent halten den gegenwärtigen Vize-Kanzler Gabriel für aussichtsreicher.

Deutlicher ist das Ergebnis unter den SPD-Anhängern: Hier sprachen sich 54 Prozent für Schulz und 41 Prozent für Gabriel aus. Aus dem Lager der Grünen stimmten 73 Prozent für Schulz und 23 Prozent für Gabriel, bei den Linken war das Verhältnis 70 zu 19 Prozent. Bei der Union halten 55 Prozent Schulz und 32 Prozent Gabriel für den stärkeren Merkel-Herausforderer. Nur bei der AfD sehen 40 Prozent den SPD-Vorsitzenden als aussichtsreicher und 30 Prozent Schulz.

Welche Rolle der Europapolitiker künftig übernehmen wird ist noch offen.

SPD-Politiker - Martin Schulz verlässt Brüssel in Richtung Bundespolitik EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) wird Ende des Jahres sein europäisches Amt beenden. Dann will er in die deutsche Bundespolitik wechseln. Zu einer Kandidatur als Außenminister oder gar Kanzlerkandidat äußerte er sich nicht. © Foto: Emmanuel Dunand/AFP/Getty Images