Was in der Debatte über den Aufstieg der Populisten stört, ist die Neigung der Volksparteien, auf die neue Herausforderung mit den immer alten Antworten zu reagieren. Drückt dem Bürger irgendwo der Schuh, schauen Union und SPD in die Kassen und kippen Geld unters Volk. So haben sie es schon immer gemacht: Ob in den Krisen der 1970er Jahre, bei der Wiedervereinigung oder zuletzt beim Antritt der großen Koalition.

Man erinnere sich nur an die viele Milliarden Euro teuren Rentenerhöhungen 2013. Ergebnis: Vor der Erhöhung hatte die AfD bei der Bundestagswahl 4,9 Prozent der Stimmen. Jetzt, nachdem die Rentenerhöhung bei den Bürgern richtig angekommen ist, werden der AfD dreimal so viel Stimmen vorhergesagt, vor allem bei Rentnern. Populismus ist offenbar gegen Geld immun.

Trotzdem aber wird die Ursache für den Sieg des Multimillionärs Trump in den USA vor allem in den Abgehängten, Verlierern und Verarmten gesucht, denen dringend geholfen werden muss. Ja, man muss helfen, aber es möge sich keiner einbilden, dass damit das Problem gelöst wäre.

Es ist an der Zeit zu erkennen, dass der Populismus seine Wucht nicht aus Armut, sondern aus dem gefühlten Verlust der Identität zieht. Unsere Zeit widerlegt den alten Spruch von Bill Clinton, der vor zwanzig Jahren eine Epoche markierte: "It’s the economy, stupid." Heute spielt die Ökonomie eine immer geringere Rolle, dafür aber gilt: "It’s the culture, stupid!"

Der Zusammenprall der Kulturen, der Amerika als explosives Gefühl erfasst hat, konnte schon zuvor exemplarisch in Polen beobachtet werden. In einer Zeit, in der Polen wirtschaftlich die vielleicht besten Jahre seiner Geschichte erlebte, in der eine überdurchschnittlich hohe Zahl von Bürgern zu nie gekanntem Wohlstand gelangt war, wählte die Mehrheit die rechtspopulistische PiS-Partei ins Amt.

Aversion gegen die Generation Smartphone

Die Erklärung: Jenseits der Cappuccino-Meilen von Warschau, Krakau und Danzig entwickelte eine Mehrheit der Polen heftige Aversionen gegen die gut gekleidete, liberale, kosmopolitisch-polyglotte Generation Smartphone. Die jungen, modernen Leute hatten in den Augen der PiS-Wähler die katholischen Wurzeln und die heilige Identität des polnischen Dauerleidens gegen gottlos-sorglosen Hedonismus eingetauscht. Damit wird jetzt abgerechnet.

Polen ist ein Modell für ganz Europa. Natürlich interpretieren die Ressentimentbeladenen in jedem Nationalstaat ihre Identität ein bisschen anders, aber ihre Meinung ist einhellig über die metrosexuellen Latte-Macchiato-Bewohner der Metropolen mit ihren unverständlichen, meist englischsprachigen Obsessionen, ob LGBTQ, Gendermainstreaming, Refugees welcome, Veggie days, Climate change oder der vierfachen Mülltrennung mit separatem Komposttütchen.