Die Populisten wirken unaufhaltsam. Wenn die eindrucksvolle Kampagnenmaschine von Hillary Clinton Donald Trump nicht stoppen konnte, was blüht uns dann erst in Europa? Auch hier sind Populisten auf dem Vormarsch. Der rechtspopulistische Front National (FN) um Marine Le Pen ist in Umfragen seit Jahren stärkste politische Kraft in Frankreich, die Alternative für Deutschland (AfD) kann mit großer Wahrscheinlichkeit nächsten Herbst in den Bundestag einziehen. Viele weitere dieser Parteien steigern ihre Umfragewerte.

Doch selbst Liberale können der US-Wahl etwas Gutes abgewinnen: Sie zeigt uns par excellence, warum Populisten Wahlen gewinnen. Fünf zentrale politische Lehren und Strategien lassen sich destillieren, die liberale Parteien (und Medien) für den Umgang mit Populisten ziehen sollten.

1. Rechtspopulisten sind fantastische Wahlkämpfer. Sie porträtieren sich als die einzigen wahren Volksvertreter. Das fällt ihnen besonders leicht, wenn die anderen Parteien im wichtigsten politischen Thema – Wirtschafts- und Finanzfragen – kaum noch Unterscheide aufweisen. Die Wähler bekommen so das Gefühl vermittelt, dass die Eliten austauschbar sind. Hillary Clinton steht par excellence für die Verflechtungen zwischen global agierender Finanzwirtschaft und Großunternehmen auf der einen, und der politischen Elite auf der anderen Seite. Sie war somit die perfekte Zielscheibe für das Anti-Eliten-Narrativ.

Im Umkehrschluss haben Rechtspopulisten bis in die 2000er Jahre weder in Schweden noch in Deutschland ein Bein auf den Boden bekommen, da die Sozialdemokraten und Konservativen in wirtschaftspolitischen Fragen stark unterschiedlicher Meinung waren. In den vergangenen zehn Jahren sind diese Unterschiede aber für den Wähler beinahe vollends verschwommen. In der Folge erschienen die wichtigsten Parteien als programmatischer Einheitsbrei. Diesen etablierten Kräften kann man leicht unterstellen, in allen Fragen gemeinsame Sache zu machen, statt sich für unterschiedliche Wählergruppen aufzureiben.

Mögliche Gegenstrategie: klare Abgrenzung etablierter Parteien voneinander in ökonomischen Themen und Lagerbildung Mitte-links vs. Mitte-rechts.

2. Rechtspopulisten stellen sich als die einzige Partei dar, die nationale Werte verteidigt. Rechtspopulisten steigen so gut wie nie in der Wählergunst, wenn das Land vor realen Herausforderungen – z. B. steigenden Migrationszahlen oder der Eurokrise steht. Konservative Wähler wandern aber dann zu Rechtspopulisten, wenn sie glauben, dass etablierte Parteien angesichts einer großen Herausforderung konservative Grundwerte nicht mehr bewahren wollen. Also dann, wenn die Wähler glauben, dass nur liberale oder proeuropäische Politik gemacht wird.