Auf der ganzen Welt vertrauen angeblich zunehmend weniger junge Menschen der Demokratie, während mehr von ihnen autokratische Alternativen befürworten. Das ist das Ergebnis einer Studie von Harvard-Professor Yascha Mounk und Roberto Stefan Foa, einem Politikwissenschaftler der Universität Melbourne, über die die New York Times berichtet. Demnach sei der Anteil derer, die ein Leben in einer Demokratie für essentiell halten, in den vergangenen Jahren vor allem bei Menschen gesunken, die in den 1970er und 80er Jahren geboren wurden. Die Studie wird im Januar im Journal of Democracy erscheinen.

In den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Neuseeland beispielsweise finde jeweils nur noch gut jeder Vierte derer, die in den 1980ern geboren wurden, es notwendig, in einer Demokratie zu leben. Unter älteren Menschen sei der Wert deutlich höher, schreibt die New York Times. Von den in den 1930er und 40er Jahren Geborenen stimmten der Aussage in den USA 75 Prozent zu, in Neuseeland gut 60 Prozent und in England etwas mehr als die Hälfte. In Schweden gebe es ein vergleichsweise hohes Demokratrievertrauen, während es in den Niederlanden besonders gering sei. In beiden Fällen weisen aber wiederum nach Angaben der US-Zeitung vor allem junge Menschen der Demokratie einen niedrigeren Wert als ältere Menschen zu.

Das ist deswegen überraschend, weil Wissenschaftler bisher eher unter älteren Menschen einen Vertrauensverlust in die bestehenden Demokratien vermutet hatten. Systemkritische, rechtspopulistische Bewegungen, wie die AfD in Deutschland oder Donald Trump in den USA, werden vor allem von älteren Menschen gewählt. Liberale Gegner dieser Strömungen hoffen daher besonders auf Menschen, die mit progressiven und demokratischen Werten den Rechtspopulismus auf längere Zeit gesehen zurückdrängen sollen.

Künftig könnte es weniger westliche Demokratien geben

Die Forscher Mounk und Foa warnen vor einem Rückgang demokratischen Regierungsformen in der westlichen Welt. Die Forscher haben für ihre Studie ein Drei-Faktor-Modell entwickelt. Der erste Faktor zeigt an, wie wichtig Bürgern ein Fortbestehen der Demokratie ist. Beim zweiten geht es um die Offenheit gegenüber nichtdemokratischen Regierungsformen, während der dritte Faktor die Unterstützung von Parteien und Bewegungen beschreibt, die das bestehende System für illegitim halten.

Für mehreren Staaten – von den Vereinigten Staaten über Australien und Neuseeland bis zu europäischen Ländern – stellten die Politikwissenschaftler fest, dass erstaunlich viele der Befragten die Demokratie, in der sie leben, nicht wichtig ist und sie gleichzeitig autokratischen Regierungsformen gegenüber aufgeschlossen sind. Was die Wissenschaftler erforscht hätten, sei wie eine Art Frühwarnsystem, das Symptome erkennen könne, bevor sie sich zu großen Problemen entwickelten, sagten sie der New York Times

Millenials halten militärischen Coup für legitim

So habe 2014 einer von sechs Amerikanern geglaubt, dass eine militärisch geführte Regierung eine gute oder sehr gute Sache sei. 1995 sei es noch einer von 16 gewesen. Und in einer zuvor veröffentlichten Arbeit kamen die Forscher nach Angaben der Zeitung zu dem Ergebnis, dass in den USA nur knapp jeder fünfte Millenial einen militärischen Coup für illegitim halte, während der Wert bei der älteren Generation bei 43 Prozent liege. In Europa glaubten immerhin noch 36 Prozent der Millenials, dass ein Militärschlag illegitim sei. Allerdings stimmte dieser Aussage mehr als die Hälfte der älteren Menschen zu. Als Millenials werden Menschen bezeichnet, die im Zeitraum von etwa 1980 bis 1999 geboren wurden.