75 Jahre nach dem verheerenden Luftangriff auf Pearl Harbor hat US-Präsident Barack Obama an historischer Stätte den japanischen Regierungschef Shinzo Abe empfangen. Das Treffen der beiden Staatsmänner wird als weiterer Schritt der Versöhnung beider Staaten angesehen, die inzwischen enge Partner in Fragen von Wirtschaft und Sicherheit sind. Obama hatte im vergangenen Jahr als erster US-Präsident im Amt die japanische Stadt Hiroshima besucht, wo 1945 die erste US-Atombombe auf Japan abgeworfen worden war.

"Wir dürfen den Horror des Krieges niemals wiederholen", sagte Abe. Er wolle den gefallenen "mutigen Männern und Frauen" seine Ehre erweisen. Obama würdigte Abes Besuch als "historische Geste", die die Kraft der Versöhnung zeige.

Eine Entschuldigung im Namen Japans wegen des Angriffs auf Pearl Harbor wurde jedoch nicht erwartet. Ebenso wenig hatte sich Obama für die Abwürfe von Atombomben auf Japan entschuldigt. Beide Politiker legten an einem Mahnmal für die Gefallenen Kränze nieder. "Die Macht der Versöhnung hat frühere Feinde in die engsten Freunde verwandelt", hieß es aus dem Weißen Haus.

Der Angriff auf Pearl Harbor hatte die USA schwer getroffen und den Eintritt der Supermacht in den Zweiten Weltkrieg bewirkt. Bei der Attacke waren am 7. Dezember 1941 rund 2.400 Amerikaner getötet worden. 300 japanische Flugzeuge hatten den Hafen westlich von Hawaiis Hauptstadt Honolulu angegriffen.

Für Obama war das Treffen mit Abe auf Hawaii – wenige Kilometer von seinem Geburtsort entfernt – die vermutlich letzte Zusammenkunft mit einem ausländischen Staatsmann in seiner acht Jahre währenden Zeit als US-Präsident. Sein erstes bilaterales Treffen als Präsident hatte Obama 2009 mit Abes Vorgänger Taro Aso im Weißen Haus abgehalten.

Abe war der dritte japanische Regierungschef, der nach Pearl Harbor reiste. Die vorhergehenden Besuche waren aber auf niedrigem Level gehalten worden: Selbst die japanische Regierung hatte sich nicht mehr erinnert und zunächst fälschlich bekannt gegeben, Abes Besuch sei der erste eines japanischen Premierministers an den historischen Stätten.