Mexiko hat den Drogenbaron Joaquín Guzmán, Spitzname El Chapo, an die USA ausgeliefert. Guzmán landete am Donnerstagabend in New York. Es wird erwartet, dass der Chef des Sinaloa-Kartells noch am Freitag vor einem Gericht in Brooklyn erscheinen muss.

Guzmán soll in New York wegen Mordes, Waffenbesitzes, Imports und der Verbreitung von Kokain und Marihuana sowie Geldwäsche der Prozess gemacht werden. Auch etliche weitere Staatsanwaltschaften in anderen US-Städten haben Anklage gegen den Drogenhändler erhoben.

Guzmán ist schon zwei Mal die Flucht aus Hochsicherheitsgefängnissen in Mexiko gelungen, zuletzt entkam er 2015 über einen kilometerlangen Tunnel aus seiner Zelle. Im Januar 2016 wurde er gefasst.

Sein Anwalt Andrés Granados bezeichnete die Auslieferung als illegal. Er und sein Mandant seien über den Schritt vorab nicht informiert worden. Zudem warf Granados der mexikanischen Regierung vor, mit der Überstellung Guzmáns von den landesweiten Protesten gegen die Anhebung der Benzinpreise ablenken zu wollen. Zuvor hatte der oberste Gerichtshof einen Einspruch des inhaftierten Chefs des Sinaloa-Kartells gegen seine Auslieferung zurückgewiesen.

Bislang war El Chapo in einem Gefängnis in Ciudad Juárez an der Grenze zu den USA untergebracht. Nach einem ersten Gefängnisausbruch und 13 Jahren auf der Flucht war er im Februar 2014 gefasst worden. Aus dem Hochsicherheitsgefängnis Altiplano nahe Mexiko-Stadt entkam er im Juli 2015 durch einen Tunnel. Im Januar dieses Jahres wurde er dann in seinem Heimatbundesstaat Sinaloa erneut festgenommen.

Keine Todesstrafe

Mexiko hatte sich lange gegen die Auslieferung an die USA gewehrt. Staatspräsident Enrique Peña Nieto hatte stets erklärt, dass El Chapo von einem mexikanischen Gericht verurteilt werden solle. Die zweite Flucht des Drogenbosses im vergangenen Jahr, für die er Helfer in den Reihen der Sicherheitskräfte gehabt haben muss, änderte die Haltung der Regierung.

Die US-Justiz hatte zuvor versichert, dass Guzmán in den Vereinigten Staaten nicht zum Tode verurteilt würde. Mexiko hat die Todesstrafe abgeschafft. Staatsbürger, die im Ausland mit möglicher Exekution konfrontiert sind, liefert das Land nicht aus.