Donald Trump bleibt für die Europäer ein Rätsel. Schon vor Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz hat sich fast niemand mehr getraut, eine Prognose darauf abzugeben, was insbesondere von der Außenpolitik des US-Präsidenten zu erwarten ist. Es wäre auch eher eine leichtsinnige Wette gewesen. Die Rede des neuen Verteidigungsministers James Mattis in München und sein Besuch in Brüssel haben ebenfalls wenig Klarheit gebracht. So kann man nicht zusammenarbeiten. Überhaupt, wessen Politik ist das eigentlich?

Es läuft dieser Tage vieles anders als in den vergangenen Jahren, ja Jahrzehnten. Trumps Regierung – das dürfte nach der jüngsten, episch irrwitzigen Pressekonferenz des Präsidenten auch dem Letzten klargeworden sein – arbeitet eben nicht, wie von ihm behauptet, "wie eine fein abgestimmte Maschine". Wäre es so, dann könnte man sich darauf verlassen, dass diese Mannschaft einer gemeinsamen Linie folgt. Dann könnte man auf die Worte von dem, der gerade spricht, vertrauen. Aber nicht einmal das ist derzeit sicher.

Die große Frage ist also, wie Mattis' erste Auftritte in Europa einzuschätzen sind. Kann es wirklich beruhigen, wenn er etwa vom unverbrüchlichen Bekenntnis der Amerikaner zur Nato spricht? Genauer sagte er beim Treffen mit seinen Amtskollegen in Brüssel: "Die USA stehen felsenfest zu Artikel 5 und zu unserem gegenseitigen Beistand." Noch am Vortag war sein Drängen auf höhere Verteidigungsausgaben der europäischen Bündnispartner vielfach als Drohung, gar als Ultimatum verstanden worden.

Vielleicht liegt das aber gar nicht so sehr an Mattis' Formulierungen und auch nicht am Thema selbst: Die Nato-Staaten haben schließlich auf ihrem Gipfel 2014 in Wales verabredet, wenn auch nicht verbindlich, dass spätestens 2024 jedes Mitglied zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aufwenden soll. Das Missverhältnis ist noch immer immens: Die USA geben 3,6 Prozent aus, Deutschland etwa 1,2 Prozent. Das zu ändern, wissen alle, ist angesichts der innenpolitischen Verhältnisse in Europa vor allem für Deutschland keine Kleinigkeit: Die Mehrheit der Bürger steht einer deutlichen Erhöhung des Wehretats hier sicher weit negativer gegenüber als beispielsweise in Polen. Aber das Problem ist lange erkannt, in kleinen Schritten bewegt sich etwas.

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz redet man seit Jahren darüber. Deshalb wundert es auch niemanden, dass Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Grundsatz sagt: Die Amerikaner haben recht. In ihrer Eröffnungsrede räumte sie ein, dass es gerade aus deutscher Sicht diesen schon gewohnten Reflex gebe: Wenn es wirklich eng werde, ducke man sich lieber weg und verlasse sich auf die "Tatkraft unserer amerikanischen Freunde". Das beschreibt ziemlich genau, warum der US-amerikanische Impuls, die Europäer mit Nachdruck an ihre Verantwortung für die gemeinsame Sicherheit zu erinnern, nicht aus der Luft gegriffen ist.

Die Botschaft der Amerikaner scheint angekommen zu sein, von der Leyen sagt in ihrer Rede in München: "Wir Deutschen wollen diese Herausforderung annehmen", gemeinsam mit den Amerikanern und gemeinsam mit den europäischen Nachbarn. Sie spricht von einem "Land, das ein Vierteljahrhundert nach dem Fall der Mauer erwachsen geworden ist". Dazu gehöre auch eine fair ausbalancierte transatlantische Sicherheitspartnerschaft. Also: nicht nur schnell mehr ausgeben und sich besser vernetzen, sondern auch mehr tun.