Noch nicht einmal eine Woche ist vergangen, seit Premierministerin Theresa May den Brexit in Gang gesetzt hat, und schon gibt es Ärger: Ein hochrangiger konservativer Politiker hat den sich abzeichnenden Streit zwischen London und Madrid über Gibraltar mit dem Falklandkrieg verglichen. "Diese Woche vor 35 Jahren hat eine andere Premierministerin eine Spezialeinheit um die halbe Welt geschickt, um die Freiheit einer anderen kleinen Gruppe von Briten gegen ein anderes spanischsprechendes Land zu verteidigen."

Die bemerkenswerte Aussage stammte von Michael Howard, einem ehemaligen Chef der konservativen Partei. Das "spanischsprechende Land", gegen das Großbritannien dieses Mal militärisch aktiv werden könnte, wie Howard nahelegt, ist Spanien. "Ich bin mir absolut sicher, dass unsere gegenwärtige Premierministerin dieselbe Entschlossenheit zeigen wird, wenn sie den Menschen in Gibraltar beisteht."

Howard bezog sich mit seiner Äußerung darauf, dass die EU Gibraltar in einem Entwurf für die Richtlinien bei den Brexit-Verhandlungen explizit als Teil der Verhandlungen erwähnt. In dem Papier, das noch abgesegnet werden muss, heißt es: "Wenn das Vereinigte Königreich die Union verlässt, darf sich kein Abkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich auf das Territorium Gibraltars beziehen ohne eine Einigung zwischen dem Königreich Spanien und dem Vereinigten Königreich." Die Klausel war eine Überraschung. Madrid hatte offensichtlich Erfolg damit, das Thema ganz oben auf die Liste der Verhandlungsziele zu setzen und hat damit offenbar einige konservative Briten erschreckt.

Dabei geht es derzeit gar nicht darum, dass Gibraltar nach dem Brexit an Spanien fallen könnte. Es geht nur darum, ob sich ein Abkommen zwischen London und der EU auch auf das gerade einmal 6,5 Quadratkilometer große Überbleibsel aus Kolonialzeiten beziehen würde. Dass Spanien sich hier bewusst querstellen könnte, um eine Rückkehr Gibraltars in sein Staatsgebiet zu forcieren, steht auf einem anderen Blatt.

Dessen rund 30.000 Einwohner sind sich der prekären Lage, in die sie nach einem Brexit geraten könnten, offensichtlich bewusst. Beim EU-Referendum im vergangenen Juni sprachen sich 96 Prozent von ihnen für einen Verbleib in der EU aus. Nur in ihrer Haltung gegenüber Spanien sind sie noch deutlicher: Bei einem Referendum im Jahr 2002, bei dem es darum ging, ob Großbritannien und Spanien die Souveränität Gibraltars unter sich aufteilen sollen, sprachen sich 99 Prozent von ihnen dagegen aus.

Der Brexit ist schon kompliziert genug

Fabian Picardo, Chief Minister Gibraltars, kritisierte den spanischen Vorstoß. Die Menschen in dem Territorium hätten "diese unnötige, ungerechtfertigte, in inakzeptabler Weise diskriminierende Aussonderung Gibraltars" durch Spanien kommen sehen und deswegen mit überwältigender Mehrheit für einen Verbleib in der EU gestimmt. "Das ist ein skandalöser Versuch Spaniens, den Europäischen Rat für seine eigenen eng gefassten politischen Interessen zu manipulieren", fügte Picardo hinzu. Der Brexit sei schon kompliziert genug, ohne dass ihn "Spanien noch mehr verkompliziert".

Der Chef der Liberaldemokraten, Tim Farron, sagte, er finde es "unglaublich", dass es binnen einer Woche nach Aktivierung von Artikel 50 des EU-Vertrages "schon Konservative gibt, die potenzielle Kriege mit unseren europäischen Nachbarn diskutieren". Die Brexit-Unterstützer seien "vom Jubeln zum Säbelrasseln" übergegangen. "Das ist absolut skurril." Der frühere Außenminister Jack Straw bezeichnete die Vorstellung, wegen Gibraltar gegen Spanien militärisch vorzugehen, als "absurd". Howards Vorstoß rieche "nach Chauvinismus aus dem 19. Jahrhundert". Den Bewohnern Gibraltars legte er jedoch nahe, sich an die veränderten Gegebenheiten anzupassen.