Donald Trump machte seiner Wut über die geplatzte Gesundheitsreform auf gewohnte Weise Luft – nur das Ziel war nach der peinlichen Niederlage ungewohnt. "Der Freedom Caucus wird der gesamten republikanischen Agenda schaden, wenn er nicht an Bord kommt", twitterte der Präsident in der vergangenen Woche, nachdem die Gruppe mit ihrer kompromisslosen Haltung im Alleingang eine Abstimmung verhindert hatte. So tief saß der Frust bei Trump, dass er die konservative Splittergruppe gleich zusammen mit den Demokraten zum politischen Feindbild erklärte: "Wir müssen sie und die Dems 2018 bekämpfen."

Um seine Gesundheitsreform doch noch durchzusetzen, schickt Trump nun seinen Vize Mike Pence in Verhandlungen mit den rechten Hardlinern. Der gerade mal rund 30 Mitglieder zählende Freedom Caucus droht für Trump trotz aller Mehrheiten in Exekutive und Legislative zum politischen Stolperstein in der eigenen Partei zu werden.

Gedacht als kleiner und agiler Arm des konservativen Flügels, scheiterte die Gruppe nach ihrer Gründung 2015 mit ihren Ideen zu Staat und Steuern zunächst. Doch mit der Bereitschaft, die Regierung zum Stillstand zu bringen, um die eigenen Ziele durchzusetzen und die Partei nach rechts zu rücken, machte der Freedom Caucus zunehmend auf sich aufmerksam.

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Vor zwei Jahren war die Gruppe maßgeblich am Rücktritt des damaligen Sprechers im Repräsentantenhaus, John Boehner, beteiligt. Dessen Nachfolger Paul Ryan fürchtete den Einfluss des Blocks bereits so sehr, dass er seine Kandidatur von dessen Empfehlung abhängig machte.

Der Erfolg im Kampf um die Gesundheitsreform hat die Gruppe, die die Namen ihrer Mitglieder nicht preisgibt, zusätzlich gestärkt. Das Programm, das vor allem mit Steuergeschenken an die Superreichen und steigenden Prämien für die eigene Kernwählerschaft aufgewartet hatte, war den konservativen Hardlinern nicht weit genug gegangen. Der Freedom Caucus wollte die staatliche Unterstützung auf ein Minimum senken und Steuergeschenke, Subventionen oder Mindestanforderungen für Versicherungen streichen. Am Ende blockierte der republikanische Club das Gesetz lieber ganz, als sich auf einen Kompromiss einzulassen.

Selbst die üblichen Drohgebärden des Präsidenten blieben wirkungslos. In der eigenen Partei war der Ärger über die Blockadehaltung groß. "Der Freedom Caucus repräsentiert sieben Prozent der Stimmen, aber sie erwarten, einhundert Prozent ihrer Ziele durchzusetzen", schimpfte die konservative Seite The Hillund sprach damit vielen frustrierten Republikanern aus der Seele. "Und wenn das nicht klappt, stampfen sie auf den Boden und ziehen ab."

Tatsächlich hatte die Gruppe im Laufe der Verhandlungen trotz zahlreicher Zugeständnisse vonseiten des Präsidenten immer wieder neue Bedingungen vorgelegt. Sie würden riskieren, mit ihrer Opposition am Ende weiter von ihren Zielen entfernt zu sein als mit einem Kompromiss, so Kritiker. Das Gesetz dürfte nicht das einzige sein, bei dem der konservative Flügel in den kommenden Wochen seine Macht demonstrieren wird.

Mit Trumps Steuerreform, dem ersten Haushaltsentwurf und einem Infrastrukturplan, der Investitionen von rund einer Billion Dollar vorsieht, stehen gleich drei große Tests für den Einfluss der Gruppe an. Schon vor dem jüngsten Showdown hatten politische Beobachter spekuliert, der Caucus werde das Infrastrukturpaket aus Angst vor steigenden Staatsschulden torpedieren.