Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) verfolgt mit großer Sorge Nordkoreas Fortschritte bei seinem Atomprogramm. "Wir haben Anhaltspunkte, dass das Nuklearprogramm so vorangeht, wie Nordkorea es verkündet", sagte IAEA-Chef Yukiya Amano der Süddeutschen Zeitung. "Alle Indizien" deuteten darauf hin, "dass Nordkorea Fortschritte macht", fügte Amano hinzu. "Und das bereitet uns Sorgen." Die Sicherheitsbedenken gingen über die Region hinaus.

Die IAEA stützt sich bei ihren Einschätzungen nach eigenen Angaben auf Satellitenbilder. Die Inspektoren der IAEA dürfen bereits seit 2009 nicht mehr nach Nordkorea reisen. Das kommunistische Land  hat nach eigenen Angaben seit 2006 fünf Atomwaffentests vorgenommen, davon zwei im vergangenen Jahr. Es nimmt zudem immer wieder Raketentests vor und verstößt damit gegen UN-Resolutionen.

Nach den jüngsten Verstößen wollen die USA ihre Sanktionen gegen Nordkorea ausweiten. Die Abgeordneten des Repräsentantenhauses votierten mit 419 zu einer Stimme für neue Strafmaßnahmen. Sie verbieten nordkoreanischen Schiffen oder Schiffen von Ländern, die sich nicht an Vorgaben der UN-Sanktionen gegen Nordkorea halten, in US-Gewässern zu fahren oder in Häfen der USA anzulegen. Produkte, die in Zwangsarbeit in Nordkorea oder davon profitierend hergestellt wurden, dürfen nicht mehr eingeführt werden. Der Senat muss den Sanktionen noch zustimmen.

Mit den neuen Sanktionen solle verhindert werden, dass Nordkorea Geld für die Weiterführung seines Atomwaffenprogramms generieren kann, erklärte der republikanische Abgeordnete Ed Royce. Firmen im Senegal, Katar oder Angola würden nordkoreanische Arbeiter anstellen, die ihre Gehälter in die Heimat schickten – was Pjöngjang jedes Jahr viel Geld einbringe, so Royce.

US-Außenminister Rex Tillerson rief die Asean-Mitgliedstaaten auf, sicherzustellen, dass Sanktionen gegen das kommunistische Land auch durchgesetzt würden. Der diplomatische Kontakt zwischen Pjöngjang und den zehn asiatischen Ländern solle "minimiert" werden, forderte Tillerson. Damit solle verhindert werden, dass Nordkorea wegen diplomatischer Kontakte seine Pläne für ein Atomwaffenprogramm vorantreiben könne, erklärte Patrick Murphy vom US-Außenministerium. Nordkorea habe in vielen Ländern diplomatische Vertretungen, die die eigentlichen diplomatischen Bedürfnisse überstiegen, sagte Murphy. Der mutmaßlich von Nordkorea ausgehende Mordanschlag auf den Halbbruder von Machthaber Kim Jong Un im Februar am Flughafen von Kuala Lumpur zeige, dass sich die Bedrohung "im Herzen" der Asean-Staaten befinde.

Der Konflikt um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm hatte sich zuletzt zugespitzt. US-Präsident Donald Trump erhöhte seit seinem Amtsantritt im Januar den Druck und schloss dabei auch ein militärisches Vorgehen nicht aus. Anfang der Woche zeigte sich Trump überraschend bereit, sich unter Bedingungen mit Kim Jong Un zu treffen.

China drohte unterdessen, "auf beispiellose Weise" auf einen neuen Atomtest Nordkoreas reagieren. Wie die vom kommunistischen Parteiorgan Volkszeitung herausgegebene Global Times am Freitag in einem Kommentar schrieb, sollte Peking nicht zögern, Pjöngjang diese Botschaft zu übermitteln. Das Blatt wies die jüngste, ungewöhnlich direkte Kritik der amtlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA an China als "hyper-aggressiv" zurück und sprach von einer "irrationalen Logik" hinter dem nordkoreanischen Atomprogramm. Pjöngjang verstehe auch nicht die tiefe Sorge, die in Peking wegen der potenziellen Gefahren eines Atomversuchs für die Menschen in Nordchina bestehe.

China und Nordkorea sollten einen ranghohen Dialog miteinander verfolgen. "Nur durch solche Bemühungen kann Pjöngjang aus der Sackgasse gezogen werden", schrieb das Blatt. Es sei vollkommen egal, ob Nordkorea seine Kritik an China öffentlich kundtue. "Was wirklich zählt, ist, wie Pjöngjangs nächster Schritt aussieht."