Die US-Justiz wird nicht gegen die beiden Polizisten vorgehen, die im Juli 2016 in Baton Rouge im US-Bundesstaat Louisiana den Afroamerikaner Aston Sterling erschossen haben. Das erfuhren die Nachrichtenagentur AP und Angehörige von Sterlings Familie aus Gerichtskreisen. Das Justizministerium äußerte sich bisher nicht.

Laut Polizeibericht schossen die Beamten zunächst mit einer Betäubungswaffe auf Sterling. Dieser habe dann versucht, nach einer Waffe in seiner Tasche zu greifen, woraufhin die Polizisten ihn erschossen. Der Fall war von Bundesbehörden untersucht worden. Er hatte zu landesweiten Protesten geführt.

Die Polizisten hatten den 37-Jährigen vor einem Lebensmittelgeschäft erschossen, wo er CDs verkaufte. Sterlings Freundin filmte den Vorfall, das Video verbreitete sich im Internet und bestärkte die Debatte über Polizeigewalt gegen Afroamerikaner in den USA. Es kam zu Demonstrationen, in Baton Rouge wurden in der Folge nach Angaben der Polizei drei Beamte erschossen, rund 200 Demonstranten wurden festgenommen.

Am Tatort in Baton Rouge versammelten sich am Dienstag zahlreiche Menschen aus der Nachbarschaft. Die Tante des Opfers, Veda Sterling, führte eine Gruppe an, die "keine Gerechtigkeit, kein Frieden!" rief. Die Tat sei nun schon fast ein Jahr her und noch immer leide die Familie so, als wäre es gestern passiert, sagte Sterling. Der Anwalt einiger Familienmitglieder sagte, die Angehörigen forderten weiterhin eine Anklage.

Eingeständnis im Fall Walter Scott

Der Anwalt der Sterlings vertritt auch die Hinterbliebenen des Afroamerikaners Walter Scott, der 2015 von einem weißen Polizisten in South Carolina erschossen worden war. Der in diesem Fall angeklagte Ex-Polizist Michael Slager hat am Dienstag ein Geständnis abgelegt. Er bekannte sich schuldig, durch die "Anwendung exzessiver Gewalt die Bürgerrechte des Opfers" verletzt zu haben.

Mit dem Geständnis kann Slager weitere Verfahren abwenden, Anklage und Verteidigung hatten das Vorgehen abgesprochen. Dem 35-Jährigen droht eine lebenslange Haftstrafe, doch wird bei einer Übereinkunft in der Regel nicht die Höchststrafe verhängt. Das Urteil wird zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben. Ein Prozess wegen Mordes gegen Slager war im Dezember gescheitert, weil sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil einigen konnten.

Slager hatte den 50-jährigen Scott am 4. April 2015 in der Stadt North Charleston im US-Bundesstaat South Carolina erschossen, nachdem dieser wegen eines defekten Rücklichts an seinem Wagen angehalten worden war. Auf später veröffentlichten Videoaufnahmen war zu sehen, wie Scott, der unbewaffnet war, nach einem Handgemenge mit dem Beamten zu fliehen versuchte. Slager schoss Scott daraufhin mehrfach in den Rücken. Er wurde festgenommen und aus dem Polizeidienst entlassen.

Polizisten erschießen Jugendlichen in Dallas

Polizeigewalt ist in den USA nach wie vor ein akutes Thema. Am Wochenende erschoss ein Beamter in Dallas im Bundesstaat Texas den 15-jährigen Afroamerikaner Jordan Edwards. Der Jugendliche saß auf dem Beifahrersitz eines fahrenden Autos, der nach Darstellung der Polizisten auf sie zu gesteuert wurde. Der zuständige Polizeichef Jonathan Haber widersprach dieser Darstellung am Montag. Die Insassen seien nach bisherigen Erkenntnissen von den Polizisten weggefahren.

Nach Angaben der Washington Post hat die US-Polizei seit Jahresbeginn 333 Personen erschossen, Edwards ist der jüngste von ihnen. Etwa 25 Prozent der Getöteten waren Afroamerikaner. In einer Onlinedatenbank erfasst die Zeitung alle Polizeitoten seit 2015.

In den USA gab es in den vergangenen Jahren viele Fälle von Gewalt weißer Polizisten gegen Schwarze. Im April 2015 starb der 25-jährige Freddy Gray, nachdem er in Baltimore in Polizeigewahrsam genommen wurde. Der 12-jährige Tamir Rice wurde im November 2014 von Polizisten in Ohio erschossen, der 18-jährige Michael Brown im August 2014 in Missouri. Oft erhalten die Täter milde Strafen oder werden gar nicht belangt.

Als Reaktion auf die Vorfälle gründete sich die Black-Lives-Matter-Bewegung, die regelmäßig zu Protesten und Aktionen gegen Rassismus und Polizeigewalt aufruft. Immer wieder kommt es auch zu schweren Ausschreitungen und Krawallen.