Ginge es nach den Deutschen, würde am kommenden Sonntag Emmanuel Macron zum Staatsoberhaupt Frankreichs gewählt werden. Das ergibt eine Umfrage des Online-Umfrageinstituts Civey. Demnach würden knapp 73 Prozent dem parteiunabhängigen Kandidaten ihre Stimme geben. Rund 20 Prozent würden für die Kandidatin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, stimmen. 

Damit würde die überwiegende Mehrheit so entscheiden wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Kanzlerin hatte vor dem ersten Wahlgang keine Präferenz für einen der Kandidaten erkennen lassen. Danach machte Merkel aber deutlich, dass sie sich über einen Sieg des 39-Jährigen freuen würde. "Sein Erfolg wäre ein positives Signal für die politische Mitte, die wir ja auch hier in Deutschland stark halten wollen", sagte Merkel am Mittwoch.

Welche Methoden das Umfrageinstitut konkret verwendet, wird nur grob erläutert, ebenso wie die Größe der Stichprobe. Das Berliner Unternehmen hat seine Methodik allerdings mit Professoren der Hochschule Rhein-Whaal erarbeitet, die das Projekt weiterhin wissenschaftlich begleiten. 2016 lieferte der Onlinedienst die zweitbeste Prognose zur Berliner Abgeordnetenhauswahl.

Civey bildet seine Umfragen in Echtzeit ab, das bedeutet, dass man ein Ergebnis nach der Registrierung einsehen kann, unabhängig davon, wie viele Menschen zu dem Zeitpunkt an der Umfrage teilgenommen haben und inwieweit diese repräsentativ ist. Dementsprechend variieren die Qualität der Umfrage und der statistische Fehler, beides wird von Civey angegeben. Die hier zitierte Umfrage läuft seit 26. April und ist laut dem Institut von hoher Qualität.


Die AfD steht hinter Marine Le Pen

Die Teilnehmer wurden auch gefragt, welche Parteien sie in Deutschland wählen. Dabei stellte sich heraus, dass der Ex-Wirtschaftsminister des amtierenden Präsidenten François Hollande unter den Anhängern aller deutschen Parteien mit Ausnahme der AfD eine Mehrheit hätte. Die höchste Zustimmung erhält der neoliberale Macron mit 96,5 Prozent bei den Wählern der Grünen. 

Das mag auf den ersten Blick ungewöhnlich anmuten, doch der Franzose sammelt viele Sympathien dank seinem pro-europäischen Kurs. Der Bundesparteivorsitzende der Grünen, Cem Özedemir, gratulierte Macron auf Twitter zu seinem Ergebnis nach dem ersten Wahldurchgang und schrieb: "Merci, la France!"

Ginge es dagegen nach den AfD-Anhängern, würde Frankreich seine erste Präsidentin bekommen. Rund 80 Prozent von ihnen favorisieren Le Pen laut der Civey-Umfrage. Der statistische Fehler ist mit 5,7 Prozent zwar hoch, würde in diesem Fall aber nichts an den deutlichen Präferenzen verändern.


Macron vereint Deutschland

Selbst das sonst oft angeführte Ost-West-Gefälle existiert nicht, wenn es um die Frage geht, wer als nächstes in den Elysée-Palast einziehen soll. Rund 75 Prozent der im Westen lebenden Deutschen würden Macron wählen, 63 Prozent der Ostdeutschen gäben ebenfalls ihm ihre Stimme. 

Ein Unterschied zeigt sich nur, wenn man sich die Unterstützung für Marine Le Pen ansieht. Sie würde laut dem Online-Institut doppelt so viele Stimmen im Osten Deutschlands erhalten wie im Westen. Die Kandidatin des rechtsextremen Front National ist besonders in der AfD-Wählerschaft beliebt; deren Partei sitzt in allen Landtagen im Osten Deutschlands. Civey gibt hier einen statistischen Fehler von aktuell 4,6 Prozent an.