Auch wenn die Forscher eine pauschale Verurteilung des Ostens ablehnen, so sehen sie doch einen Zusammenhang zwischen dem verklärenden Blick auf die DDR-Vergangenheit und rechtsextremem Denken. So werde die Migrationspolitik der DDR, die Migranten zwar begrüßte, aber stets als Gäste behandelte, deren Aufenthalt klar begrenzt war, von vielen Älteren noch heute positiv bewertet. Die DDR-Politik habe insofern ethnozentrische Weltbilder wie sie von modernen Rechten vertreten werden, begünstigt.

Darüber hinaus könne die "Sozialisation in einer buchstäblich geschlossenen Gesellschaft wie der DDR als ein Faktor" für die Entstehung rechtsextremer Einstellungen "nicht stark genug betont werden".

Heute herrsche neben einer ausgeprägten "deutschen" Identität im Osten ein Gefühl der Benachteiligung vor: gegenüber den Westdeutschen, den Städten und Migranten. Weil im Osten der Migrantenanteil nach wie vor niedrig ist, verhindere auch der fehlende Kontakt zu Menschen mit ausländischen Wurzeln, dass Vorurteile abgebaut werden können.

Schwierige Lösung

Ein Problem sei auch, dass es an praktischen Angeboten der politischen Bildung fehle. Positiv sei zwar, dass der Geschichtsunterricht an der gymnasialen Oberstufe in Sachsen mittlerweile wieder verpflichtend sei. In vielen Kommunen im ländlichen Bereich seien es aber nur die Kirchen, die sich mit ihren wenigen Anhängern gegen die rechte Szene stellen.

Stadtverwaltungen wie zum Beispiel in Freital würden die politische Auseinandersetzung über den Umgang mit Rechtsextremismus scheuen oder explizit unterdrücken, möglicherweise aus Angst, das Image ihrer Gemeinden zu beschädigen.

Um dem Rechtsextremismus in Ostdeutschland entgegenzuwirken, sei ein ganzes Bündel von Maßnahmen notwendig, die nur langfristig erfolgreich sein könnten, schreiben die Autoren. So müssten das historische Bewusstsein gestärkt und politische Konflikte offen angesprochen werden – vor allem vonseiten der lokalen Politik. Weil die DDR sich als antifaschistischer Staat begriff, habe man sich auch nicht in gleicher Weise mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinandergesetzt wie im Westen. Positive Beispiele gebe es, auch auf sie solle man sich stärker fokussieren.