Nach den Präsidentschaftswahlen in Südkorea ist Moon Jae In als neues Staatsoberhaupt vereidigt worden. Er sei bereit, unter den passenden Umständen die Regierung in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang zu treffen, sagte Moon bei der Vereidigungszeremonie. "Ich bin gewillt, für den Frieden auf der Koreanischen Halbinsel überall hinzugehen", sagte er. Als Reiseziele nannte er auch Washington, Peking und Tokio.

Am Dienstag hatte Moon die Wahl mit großem Vorsprung gewonnen: Nach Auszählung aller Wahlzettel erhielt Moon 41 Prozent der Stimmen. Sein größter Konkurrent, der konservative Hong Joon Pyo, landete mit einem Stimmenanteil von 24 Prozent auf dem zweiten Platz. Das teilte die Wahlkommission mit.

Rund 42 Millionen Südkoreaner waren am Dienstag aufgerufen, einen Nachfolger für die wegen Korruptionsvorwürfen abgesetzte Präsidentin Park Geun Hye zu wählen. Südkorea könnte nun unter Moon eine deutliche Abkehr von der bisherigen Politik erleben. Der frühere Menschenrechtsanwalt spricht sich beispielsweise für eine engere Bindung mit Nordkorea aus. Die harte Linie der konservativen Regierung in Seoul der vergangenen Jahre habe Nordkorea nicht davon abgehalten, nukleare Waffen zu entwickeln, sagte Moon.

Nach seiner Vereidigung kündigte Moon an, die von seiner Vorgängerin vorangetriebene Stationierung des US-Raketenabwehrsystems THAAD mit den USA "ernsthaft verhandeln" zu wollen. Die Vereinigten Staaten sind Seouls wichtigster Verbündeter. Peking sieht das Abwehrsystem hingegen als Bedrohung – der Radar sei stark genug, um chinesische Militäreinsätze auszuspionieren.

Der neue Präsident hatte am Dienstagabend seinen Wahlsieg mit Tausenden Anhängern in den Straßen Seouls gefeiert. "Das ist ein großer Sieg für das Volk", sagte Moon. "Ich werde all meine Energie zusammennehmen, um eine neue Nation aufzubauen." Moon ist der erste liberale Präsident seit Jahrzehnten.

Moon, der das Kind von Flüchtlingen aus Nordkorea ist, war Stabschef unter dem letzten liberalen Präsidenten Roh Moo Hyun, der sich bereits für engere Bindungen zu den Nachbarn im Norden aussprach. Der neue Präsident wurde für eine fünfjährige Amtszeit gewählt.

Normalerweise gibt es eine zweimonatige Übergangszeit nach der Präsidentschaftswahl. Dass Moon schon einen Tag nach der Wahl vereidigt wurde, liegt daran, dass es sich um eine vorgezogene Wahl handelte. Die Amtszeit von Präsidentin Park Geun Hye wäre erst 2018 abgelaufen – eine Korruptionsaffäre beendete ihre Präsidentschaft jedoch vorzeitig.

Gegen die ehemalige Präsidentin Park wurde mittlerweile Anklage erhoben. Ihr werden Erpressung, Bestechlichkeit, Machtmissbrauch und Verrat von Staatsgeheimnissen vorgeworfen. Sie soll gemeinsam mit ihrer Vertrauten Choi Soon Sil und einem ihrer Regierungsberater an der Erpressung mehrerer Unternehmen beteiligt gewesen sein. Der Prozess soll noch im Mai beginnen.