Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Vorwürfe zurückgewiesen, durch das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei erpressbar zu sein. Die CDU-Chefin sagte dem Kölner Stadt-Anzeiger, sie sei als Bundeskanzlerin frei, das, "was wir an bedenklichen Entwicklungen in der Türkei beobachten, auch klar auszusprechen". Dies gelte nicht nur öffentlich, sondern vor allem auch im direkten Gespräch mit der türkischen Regierung.

Es dürfe nicht übersehen werden, dass das EU-Türkei-Abkommen auch im Interesse der Türkei liege, weil es die kriminellen Schleuserstrukturen an der türkischen Küste bekämpfe. Die Schleuser könnten nun bei weitem nicht mehr agieren wie bisher. Da die Türkei drei Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen habe, sei es "ganz richtig, dass die EU finanziell Hilfe leistet", wie es das Abkommen vorsehe.

Mit Blick auf das erfolgreiche Referendum über die Einführung eines Präsidialsystems sprach sich Merkel für einen ausgewogenen Umgang mit der Türkei aus. "Wir müssen klar sein in unserer Kritik, keine Frage, und genauso müssen wir auch klug sein, denn ein gutes Verhältnis zur Türkei liegt in unserem eigenen Interesse", sagte sie. Die Wiedereinführung der Todesstrafe würde allerdings den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei "die Grundlage entziehen".

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte nach dem Sieg beim Referendum angekündigt, das Thema Todesstrafe wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Eine Wiedereinführung gilt in der EU allerdings als rote Linie, die nicht überschritten werden darf.

Hinrichtungen - Die Todesstrafe In mehr als 23 Ländern wurde im vergangenen Jahr die schlimmste aller Strafen vollstreckt. Wo und wie Staaten Verurteilte hinrichten, fasst das Video zusammen. © Foto: Patrick Hertzog / AFP / Getty Images