Deutsche Außenpolitiker haben US-Präsident Donald Trump nach seinem Auftritt vor Staatschefs islamischer Länder Unglaubwürdigkeit vorgeworfen. Trumps Rede in Saudi-Arabien zum Kampf gegen den islamistischen Terrorismus werde den aktuellen Aufgaben nicht gerecht, sagte Rolf Mützenich, Vizefraktionschef der SPD im Bundestag, der Welt. "Nach seiner pauschalen Kritik am Islam anlässlich seiner Einreisedekrete und seinem Wahlkampf klingen viele Aussagen unglaubwürdig und teilweise martialisch."

Es sei zwar richtig, dass Trump diesmal den Unterschied zwischen dem Islam einerseits und islamistischen Gewalttätern und der Betrachtung des Terrorismus als kriminellem Akt andererseits gemacht habe. "Allerdings verkennt der amerikanische Präsident die gesellschaftlichen Hintergründe des Terrorismus und die sich verschärfende Eskalation anlässlich der US-Invasion im Irak", kritisierte Mützenich. Außerdem habe Trump es versäumt, bestimmte Auslegungen des Koran – etwa den Wahabismus – in seine Betrachtungen einzubeziehen. "Ohnehin ist die Unterscheidung zwischen Gut und Böse keine politische Kategorie und eher die Wiederkehr historischer Bilder", sagte Mützenich.

Zudem gehe die Rede – angesichts der Kriege in Syrien, Irak und Libyen, aber auch des ausbleibenden Friedensschlusses zwischen Israel und den Palästinensern – an den eigentlichen internationalen Herausforderungen vorbei. In Anspielung auf den 98 Milliarden Euro umfassenden Waffendeal Trumps mit Saudi-Arabien sagte er: "Was die Arabische Halbinsel braucht, sind nicht mehr Waffen, sondern ein funktionierendes regionales Sicherheitssystem, welches auf Verträgen und Vertrauen beruht."

Der außenpolitische Sprecher der Grünenfraktion im Bundestag, Omid Nouripour, sagte: "Trump hat in seiner Rede zum ersten Mal versucht, den Graben nicht zwischen den Religionen zu ziehen, sondern zwischen Terrorismus und Freiheit." Aber: "Das Problem ist, dass es diese Haltung auch im eigenen Land leben müsste. Deshalb bleibt er leider unglaubwürdig." Mit dem während des ersten Besuchstags von Trump in Saudi-Arabien am Samstag verkündeten "Megarüstungsdeal" habe der US-Präsident ein "massives Signal der Eskalation" gegeben. "Gegenüber seinen Geschäftspartnern tut er nun so, als hätte er Kreide gefressen. Doch diese Haltung hat keine innere Wahrheit."