Shakira und Donald Trump reisen nach Hamburg, Chinas Präsident Xi Jinping und Zehntausende Demonstranten werden in der Stadt sein, Tausende Polizisten sichern das Messegelände und die Elbphilharmonie: Hamburg ist schon Tage vor dem offiziellen Beginn des G20-Gipfels im Ausnahmezustand. Gegner des Treffens aus dem In- und Ausland werden erwartet. Am Wochenende wurden die ersten Camps errichtet, vereinzelt gab es bereits Auseinandersetzungen mit der Polizei. 

Wenn die Gipfelteilnehmer am Donnerstag und Freitag anreisen, zählt die Polizei 40 besonders gefährdete Personen in der Stadt, darunter US-Präsident Trump, Russlands Präsident Wladimir Putin sowie der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan. In Kolonnen mit bis zu 60 Fahrzeugen werden sie durch die Stadt gefahren. Sie dürfen nicht halten und müssen mit einer möglichst konstanten Geschwindigkeit fahren, um die Gefahr von Anschlägen zu minimieren. Das Transportproblem ist aber nur eines von vielen.

Wie groß wird die Veranstaltung?

Bundeskanzlerin Angela Merkel – die Gastgeberin des G20-Treffens – hat sich für den Austragungsort Hamburg entschieden und die Stadt damit vor logistische Herausforderungen gestellt: In den kommenden Tagen werden 3.000 Journalisten und fast doppelt so viele Delegierte der unterschiedlichen Nationen und Organisationen erwartet. Das Treffen wird sich auf den Bereich rund um die Messe Hamburg und die Elbphilharmonie konzentrieren. 20.000 Polizisten werden im Einsatz sein, darunter Beamte aus anderen Ländern sowie der Bundespolizei und des Bundeskriminalamts.

Was wird beim G20-Gipfel in Hamburg besprochen?

Wie wollen wir international Handel treiben? Wie kann die Weltwirtschaft wachsen, wie können Arbeitsplätze entstehen? Inwieweit sollen Banken reguliert werden? Beim Treffen der G20 liegt ein besonderer Fokus auf der Weltwirtschaft. Zusätzlich besprechen die 19 Regierungschefs sowie zwei Vertreter der Europäischen Union Themen, die eng mit der Wirtschaft verwoben und gesellschaftspolitisch bedeutsam sind. In diesem Jahr wird das Pariser Klimaabkommen noch einmal einen besonderen Stellenwert erhalten, nachdem US-Präsident Trump verkündet hat, dass sein Land aus dem Abkommen aussteigen wird. Weitere wichtige Themen des Gipfels werden die Flüchtlingspolitik und der Kampf gegen den internationalen Terrorismus sein.

Seit dem Gipfel in Seoul 2010 rückt auch die Entwicklungspolitik immer stärker in den Fokus der G20. Beim vergangenen Treffen in Hangzhou in China wurde ein Aktionsplan für eine nachhaltige Entwicklung präsentiert. Bundeskanzlerin Merkel hat als amtierende G20-Präsidentin für dieses Jahr ebenfalls einen Schwerpunkt auf die Entwicklungspolitik in Afrika gelegt und aus diesem Grund die Vorsitzenden der Afrikanischen Union (AU) und der Neuen Partnerschaft für Afrikas Entwicklung (Nepad) nach Hamburg eingeladen.

Wieso gibt es die G20?

Die G20 ist eine Zusammenkunft von Industrie- und Schwellenländern, die gemeinsam rund zwei Drittel der Weltbevölkerung vertreten und 80 Prozent des Welthandels umsetzen. Schon seit 1999 hatten sich die G20-Finanzminister und Notenbankchefs regelmäßig getroffen, doch Treffen auf höchster politischer Ebene – wie diese Woche in Hamburg – gibt es noch nicht lange. Diese Form der G20-Treffen entstand aus der Not heraus, genauer: der Finanzkrise im Jahr 2008. Die ersten beiden G20-Treffen standen ganz in ihrem Zeichen. Auf ihnen beschlossen die Staats- und Regierungschefs Reformen und Regulierungen für die Finanzmärkte und Konjunkturpakete in Billionenhöhe, um die Märkte zu beruhigen.

Wer definiert die Industrie- oder Schwellenländer?

Einst waren es die G7-Staaten, die in der Welt den Ton angaben. Mit dem Aufstieg der Schwellenländer in Lateinamerika und Asien hat sich das geändert, der Kreis wurde entsprechend erweitert. China beispielsweise ist der bevölkerungsreichste Staat und die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, gilt aber immer noch als Schwellenland. Wie kann das sein? 

Unter Schwellenländern werden Entwicklungsländer verstanden, deren Wirtschaft bereits relativ weit entwickelt ist, die aber in sozialen oder gesellschaftspolitischen Belangen nicht dem Niveau der Industrienationen entsprechen. Institutionen wie die Weltbank, der Internationale Währungsfonds (IWF) oder die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) haben für sich anhand eigener Kriterien Listen erstellt, eine allgemeingültige, verbindliche Liste gibt es jedoch nicht. Um zu bestimmen, was ein Schwellen- von einem Industrieland unterscheidet, werden Faktoren wie das Bruttoinlandsprodukt, das Pro-Kopf-Einkommen, das Bruttosozialprodukt oder auch der Grad der Industrialisierung berücksichtigt. Gleichzeitig gibt es Institutionen, die neben den wirtschaftlichen auch soziale Kriterien ansetzen, etwa die Lebenserwartung oder der Grad der Alphabetisierung.

Kurz erklärt - Wer gegen G20 auf die Straße geht Sie zelten, fahren auf der Alster und feiern gemeinsam gegen G20, aber die Demonstranten in Hamburg wollen nicht alle dasselbe. Was sie antreibt und was sie unterscheidet, erklären wir im Video.