Als letzte der großen Parteien haben auch CDU und CSU ihr gemeinsames Wahlprogramm fertiggestellt, das an diesem Montag offiziell vorgestellt werden soll. Schwerpunkte darin sind Steuererleichterungen in Milliardenhöhe, vor allem von kleineren und mittleren Einkommen, mehr Geld für Familien, Sicherheit und den Wohnungsmarkt. Noch am Sonntag hatte eine Runde von Spitzenpolitikern der Union, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und CSU-Chef Horst Seehofer, die letzten Details abgestimmt und sich etwa auf eine Erhöhung des Kindergeldes um 25 Euro geeinigt.

 "Der Entwurf steht", sagte Seehofer nach den abschließenden Beratungen. "Ich bin so froh mit dem, was da drin steht." Als CSU-Vorsitzender sei er "hochzufrieden". An keinem Punkt habe es "Spannungen oder streitige Diskussionen" gegeben. Das Programm sei "ein sehr kräftiges Band der Gemeinsamkeit zwischen CDU und CSU". Das werde "ein starker Wahlkampf gemeinsam mit Angela Merkel", sagte Seehofer, der sich zum Streit über eine Obergrenze für Flüchtlinge nicht näher äußern wollte. Er erwähnte aber den sogenannten Bayernplan, den seine Partei Mitte Juli vorlegen und darin eigene Forderungen formulieren will, die sie gegenüber der Schwesterpartei nicht durchsetzen konnte.

Nachfolgend einzelne Punkte aus dem Entwurf:    

CDU und CSU wollen die Bürger in den kommenden Jahren um 15 Milliarden Euro bei der Einkommensteuer entlasten. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent soll künftig erst ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 60.000 Euro und nicht bereits wie aktuell ab 54.000 Euro greifen. Der Kinderfreibetrag (bislang 7.356 Euro) soll in zwei Schritten bis zum Grundfreibetrag für Erwachsene (derzeit 8.820 Euro) angehoben werden. Um Gutverdiener nicht zu bevorzugen, soll zugleich das Kindergeld um 25 Euro erhöht werden. Der Solidaritätszuschlag soll ab 2020 schrittweise abgebaut werden. Ein Enddatum für diese Umlage wird aber nicht festgeschrieben.

Junge Familien sollen beim Eigenheimbau durch ein Baukindergeld gefördert werden. Wie die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf das Programm berichtet, soll es für jedes im Haushalt wohnende steuerlich zu berücksichtigende Kind in den ersten zehn Jahren nach dem Bezug der Familienwohnung jährlich 1.200 Euro Förderung geben. Beim ersten Kauf eines Eigenheims soll außerdem die Grunderwerbsteuer erlassen werden.

Zudem sollen Steuerabschreibungen den Neubau von Wohnungen fördern und dieser wiederum die steigenden Mieten in den Ballungsgebieten stoppen. Ziel ist der Bau von 1,5 Millionen neuen Wohnungen in den kommenden vier Jahren.

Mittelständische Unternehmen sollen bei Forschungs- und Entwicklungsausgaben steuerlich gefördert werden, wenn es für sie zu kompliziert sei, Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt zu beantragen. Die Rheinische Post berichtet von einem Optionsmodell. Forschende Unternehmen sollten künftig selbst entscheiden können, ob sie staatliche Zuschüsse oder die steuerliche Forschungsförderung beanspruchen. Für die Forschungsförderung würden Steuerausfälle von bis zu drei Milliarden Euro jährlich eingerechnet. Dennoch will die Union auch dann einen Haushalt ohne Neuverschuldung vorlegen. 

Für mehr Sicherheit sollen Bund und Länder unter anderem 15.000 neue Polizisten einstellen. Außerdem sollen die Datenbanken der Sicherheitsbehörden besser vernetzt werden. Im Wahlprogramm enthalten ist zudem die bereits von der Bundesregierung angekündigte Digitalisierungsoffensive für die Schulen. Dafür sind bereits fünf Milliarden Euro zugesagt.

Auf dem Arbeitsmarkt soll die Arbeitslosigkeit halbiert und bis 2025 Vollbeschäftigung – also eine Arbeitslosenquote von höchstens drei Prozent – erreicht werden. Die Arbeitslosigkeit von derzeit 5,5 Prozent müsste also in etwa halbiert werden – allerdings erst in der übernächsten Wahlperiode. CDU und CSU treten zudem für die Schaffung eines sogenannten Fachkräftezuwanderungsgesetzes ein. 

In der Verteidigungspolitik soll das Zwei-Prozent-Ziel bei den Verteidigungsausgaben beibehalten werden, die Bundeswehr also mehr Geld bekommen – allerdings gekoppelt an einen Anstieg der Entwicklungshilfe. Für jeden Euro mehr für die Verteidigung soll einer mehr für Entwicklungshilfe ausgegeben werden.   

Um Vätern und Müttern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern, soll ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter eingeführt werden. Überhaupt, so formulierte es Kanzlerin Merkel nach einem Treffen mit den Vorständen von CDU und CSU, lege man mit der Förderung von Familien "einen klaren Schwerpunkt auf die Zukunft". Sie ergänzte demnach: "Wir denken an alle, wir spalten nicht."