Drei Tage lang hat die Welt nach Hamburg geschaut und darauf, was 20 wichtige Nationen für diese Welt beschließen würden – vor allem in Sachen Klimaschutz und Freihandel. Einfach, das war von vornherein klar, würden Einigungen der Staaten nicht werden. Am Ende kam eine gemeinsame Abschlusserklärung voller Kompromisse und Zugeständnisse heraus. Diplomatisch umpolstert, aber auch mit gewissen Schranken.

UN-Generalsekretär António Guterres wertete das G20-Treffen als Erfolg, weil es "kein Fehlschlag" gewesen sei. Er verwies darauf, dass die USA und Präsident Donald Trump im Streit um den Klimaschutz isoliert worden seien. Die übrigen 19 Staats- und Regierungschefs haben in ihrer gemeinsamen Erklärung bekräftigt, dass sie und Trump unterschiedlicher Meinung seien und das Pariser Klimaschutzabkommen als "unumkehrbar" ansehen. "19 Länder haben solide zusammengestanden und sich verpflichtet, Kurs zu halten", sagte Guterres, "und das ist ein wichtiger Erfolg".

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel als Gastgeberin zeigte sich grundsätzlich zufrieden mit den Gipfelbeschlüssen. "Wir haben in einigen Bereichen durchaus gute Ergebnisse erzielt", sagte sie auf ihrer Abschlusspressekonferenz in Hamburg, "unter schwierigen Bedingungen". Insbesondere hatte auch der russische Präsident Wladimir Putin zugesichert, sein Land werde sich an die Verpflichtungen des Klimaabkommens halten.


Doch nicht mal unter diesen 19 Staaten herrschte Einigkeit. Nach dem Ende des Gipfels, kurz vor seinem Heimflug, hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens durch sein Land überraschend infrage gestellt. Er habe Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mitgeteilt: "Solange die Versprechen, die man uns gegeben hat, nicht gehalten werden, werden wir das in unserem Parlament auch nicht ratifizieren." Damit bezog sich der türkische Staatschef nach eigenen Angaben auf Zusagen des damaligen französischen Präsidenten Hollande im Jahr 2015, dass die Türkei trotz ihrer Einstufung als entwickelter Staat nicht die gleichen finanziellen Lasten der Klimavereinbarung tragen muss wie etablierte Industriestaaten. Zudem bezweifelte Erdoğan, dass die restlichen G20-Staaten in der Frage des Klimaschutzes geschlossen gegen die USA stünden. Auch andere Länder hätten nicht ihre volle Unterstützung für das Abkommen erklärt. "Bei allen gibt es Probleme."

USA um Relativierung bemüht

Die Berater des amerikanischen Präsidenten spielten nach dem Gipfel die Spannungen ihres Landes mit den anderen führenden Industrienationen herunter. Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn sagte an Bord der Air Force One, solche gemeinsamen Verlautbarungen seien "nie einfach" und verglich den Gipfel sogar mit einem gemeinsamen Abendessen: "20 Freunde zu einem gemeinsamen Essen heute Abend zu bewegen, ist ziemlich schwer." Die USA wollten sich dennoch für die Umwelt einsetzen, ergänzte er. Es bleibt die Frage, wie stark.

Trump selbst bezeichnete den G20-Gipfel auf Twitter als "wunderbaren Erfolg". Das könnte sich auf einen Satz in der Vereinbarung zum Klimaschutz beziehen, der als Entgegenkommen extra für die USA aufgenommen worden war: dass die USA anderen helfen wollten, "auf fossile Brennstoffe zuzugreifen und sie sauberer und effizienter zu nutzen". Diese Formulierung war sehr umstritten, weil fossile Energien eigentlich auslaufen müssen, um die Ziele des Pariser Abkommens einer Erderwärmung von deutlich unter zwei Grad erreicht werden sollen.

Beim Thema Freihandel haben die Wirtschaftsmächte dem Protektionismus eine Absage erteilt. Als Zugeständnis an Trump wurden aber auch "legitime Verteidigungsinstrumente im Handel" anerkannt. So deuten Beobachter die Würdigung des amerikanischen Finanzministers Steven Mnuchin, der den Gipfel als "unglaublichen Konsens" bezeichnete, der beim Thema Handel erzielt worden sei. Auf besonderen Einsatz der USA sei vereinbart worden, dass Handel wechselseitig und gleichermaßen Vorteile für die Partner haben müsse. Die Wortwahl spiegelt jene Bedenken wider, die Trump angesichts der amerikanischen Wirtschaft im internationalen Handel hat. Er hatte mehrfach betont, Deals müssten fair sein und amerikanischen Unternehmen nutzen.

In Deutschland sieht Wirtschaftsministerin Zypries (SPD) den Hamburger Gipfel als ein wichtiges Signal für die deutsche Wirtschaft. "Die Gipfelerklärung ist sicher kein breiter Fortschritt auf allen Feldern, aber es gibt ein Signal für freien Handel und gegen Abschottung", sagte Zypries der Bild am Sonntag.

Waffenruhe für Syrien

Am Rande der großen G20-Bühne kam es noch zu einem anderen Ergebnis: Putin zeigte sich angesichts seines ersten persönlichen Gesprächs mit Trump erfreut. Es sei ein Fortschritt für das Verhältnis zwischen den beiden Staaten gewesen. Wenn Russland und die USA immer auf die gleiche Art und Weise in den Dialog treten könnten wie er und Trump am Freitag, dann könnten sie ihre Beziehungen verbessern, sagte Putin.

Die beiden Staatschefs hatten unter anderem Details einer zuvor vereinbarten Waffenruhe für den Südwesten Syriens besprochen. Diese soll am Sonntag um zwölf Uhr Ortszeit in Kraft treten und für unbestimmte Zeit gelten.