Vier arabische Länder haben ein an Katar gestelltes Ultimatum zur Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen um 48 Stunden verlängert. Darum habe der in der politischen Krise vermittelnde Emir von Kuwait gebeten, hieß es in einer gemeinsam von Bahrain, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten veröffentlichten Stellungnahme. Das Ultimatum wäre ursprünglich am Sonntagabend abgelaufen.

Die vier Staaten gehören zu den Ländern, die vor vier Wochen ihre diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Katar gekappt hatten. Sie werfen dem kleinen, aber sehr reichen Emirat Unterstützung von Terroristen vor und hatten ihre Grenzen für den Personen- und Warenverkehr geschlossen. Um diese Blockade zu beenden, machten sie Katar selbst verantwortlich, indem sie dem Land einen Katalog mit 13 Forderungen vorgelegt haben. Dazu gehören neben dem Finanzierungsstopp extremistischer Organisationen und der Schließung des Nachrichtensenders Al Jazeera auch die Einstellung der diplomatischen Beziehungen zum schiitischen Iran, die vor allem Saudi-Arabien seit Langem missfallen. 

Katar droht, Trump telefoniert

Bislang zeigte sich Katar von den Forderungen und dem Ultimatum zu deren Erfüllung eher unbeeindruckt: Der Verteidigungsminister des Golfstaates hatte noch am Sonntag die Standhaftigkeit seines Landes betont. "Katar ist kein Land, das leicht von jemandem geschluckt werden kann. Wir stehen bereit, um unser Land zu verteidigen", sagte Khalid bin Mohammed al-Attiyah im Fernsehsender Sky News. Er hoffe, dass kein Punkt erreicht werde, an dem eine militärische Intervention vorgenommen werde. Auch der Außenminister Katars, Scheich Mohammed bin Abdulrahman al-Thani, hatte zuvor deutlich gemacht, dass das Emirat nicht zurückschrecken werde. Sein Land fürchte sich nicht vor den Folgen, auch nicht vor einer militärischen Vergeltung, wenn das Ultimatum ablaufe, sagte er am Samstag in Rom. Er warf den Nachbarstaaten vor, die Souveränität Katars zu verletzten.

US-Präsident Donald Trump schaltete sich am Sonntagabend in den Konflikt ein und rief mehrere Staatenlenker am Golf an. Dem Weißen Haus zufolge telefonierte er mit dem saudi-arabischen König Salman, dem Kronprinzen von Abu Dhabi, Scheich Mohammed bin Sajed al-Nahjan, sowie dem Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani. Er habe betont, dass die Einheit in der Region wesentlich sei, um das Ziel eines jüngsten Gipfels in Riad, den Terrorismus zu besiegen und Stabilität in der Region zu fördern, zu erreichen.

Gabriel: "Der Konflikt betrifft auch uns"

Auch die Bundesregierung versucht in dem Konflikt zu vermitteln: Bundesaußenminister Sigmar Gabriel besucht in den kommenden drei Tagen die Golfregion, will sich nach eigener Aussage aber neutral verhalten. "Wir ergreifen nicht Partei", sagte er vor seiner Abreise nach Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate, die er an diesem Montag zuerst besuchen will. Der SPD-Politiker gab aber zu bedenken: "Der Konflikt am Golf geht nicht nur die an, die dort miteinander im Zwist liegen, sondern betrifft auch uns und unsere Interessen." Das gelte für den Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS), aber auch für die Stabilität einer Region, die von Krisen, Spannungen und Krieg schwer gezeichnet ist.

Gabriel unterstützt zudem ausdrücklich die Vermittlungsbemühungen des Emirs von Kuwait. "Denn was es jetzt braucht, ist ein ernsthafter Dialog zwischen den Beteiligten, um konstruktive Lösungsansätze durch Verhandlungen zu entwickeln", sagte der Außenminister über den in seinen Augen "besorgniserregenden Konflikt". Er mache sich Sorgen, "dass Misstrauen und Uneinigkeit letztlich alle Seiten und die Golfhalbinsel als ganze schwächen könnten".