Hat Pawel Durow am Ende klein beigegeben? Eigentlich liebt er es, seine Gegner zu ärgern, egal ob Geheimdienste oder die Konkurrenz. Der Gründer des Messengerdienstes Telegram hatte auch die in Russland populäre Facebook-Alternative VKontakte gegründet und will mit Staaten prinzipiell nicht kooperieren. Seit drei Jahren lebt er nicht mehr in Russland. Den Amerikanern warf Durow kürzlich einen Bestechungsversuch seiner Entwickler vor. Als der Iran die Anruffunktion von Telegram sperrte, fragte Durow, warum davon andere Messenger wie WhatsApp nicht betroffen seien. Doch auch in seinem Herkunftsland Russland hat Durow Probleme.

Schon vor drei Jahren hatte Durow nach eigenen Aussagen seine Anteile an Russlands größtem Netzwerk VKontakte verkaufen müssen, nachdem er sich geweigert hatte, dem Geheimdienst FSB die Nutzerdaten ukrainischer Maidan-Aktivisten zu verraten. Auch für seinen Telegram-Messenger interessiert sich die Staatsmacht. Schätzungsweise sechs Millionen Russen verwenden ihn. Vielen Russen gilt Telegram mit seiner Verschlüsselung als sicher. Auch deshalb sind inzwischen manche Telegram-Kanäle zu anonymen, alternativen Mini-Medien avanciert, die täglich von Zehntausenden gelesen werden.

Alles begann mit der Aufforderung der für Kommunikation, Informationstechnologie und Massenkommunikation zuständigen russischen Aufsichtsbehörde Roskomnadzor, Durow möge seinen Messengerdienst in einem speziellen Register bei der Behörde eintragen. Anderenfalls drohe die Sperrung. Kurze Zeit später starteten Staatsmedien eine Kampagne und berichteten, Terroristen hätten bei ihrem Anschlag in Sankt Petersburg vor drei Monaten ausgerechnet per Telegram kommuniziert. Durow warf den Behörden seinerseits vor, die nationalen Interessen Russlands zu verraten, schließlich sei sein Messenger Russland gegenüber neutral, während die Blockierung der "von den USA kontrollierten" Dienste WhatsApp und Facebook-Messenger nicht auf der Agenda stünde.  

Regierung will Internet überwachen

Schließlich landete Telegram dann doch im Roskomnadzor-Register. In einem Beitrag auf seinem VK-Profil übermittelte Durow die benötigten Angaben zu seinem Unternehmen, bestehend aus einem öffentlichen Handelsregistereintrag in London und einer ebenfalls öffentlichen E-Mail-Adresse. Er betonte jedoch, keine Nutzerdaten herauszugeben zu wollen.

Doch seit sich Roskomnadzor nach dieser gewonnen Schlacht vorerst zufriedengestellt gab, rätselte die Internetcommunity, was es mit dieser Einigung auf sich haben könnte. Die einen, etwa Russlands bekannte IT-Expertin Irina Borogan, sind enttäuscht und glauben, dass Durow nachgegeben hat. "Durow hat sich mit der angedrohten Sperrung erpressen lassen", sagt Borogan. Sie habe jedenfalls den Messenger von ihre Handy gelöscht, sagte sie. Der Branchenkenner Anton Merkurow, der einst für den Messengerdienst Firechat arbeitete, deutet Durows Schritt eher dahingehend, dass dieser die Behörden so auf nette Art und Weise davon abgehalten habe, weitergehenden Einfluss zu nehmen.