Gerhard Schröder - "Ich stehe dazu" Gerhard Schröder will den Posten im Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft trotz Kritik annehmen. Es sei nicht vernünftig, Russland ökonomisch und politisch zu isolieren, sagte der ehemalige Kanzler auf einer SPD-Veranstaltung. © Foto: Morris MacMatzen, Reuters

Trotz Kritik will Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) den Posten im Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft übernehmen. "Ich werde das tun. Es geht um mein Leben, und darüber bestimme ich – und nicht die deutsche Presse", sagte Schröder bei einem Wahlkampfauftritt im niedersächsischen Rotenburg an der Wümme. Er wolle dabei mithelfen, die Energiesicherheit Deutschlands und Europas zu sichern.

Die Personalie hatte vor allem bei Union und Opposition Kritik ausgelöst – auch weil Rosneft wegen der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim mit EU-Sanktionen belegt worden ist. Selbst SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte sich von Schröders Plänen distanziert.  

Russische Medien hatten zuvor berichtet, Schröder sei bei Rosneft auch für den Vorsitz im Verwaltungsrat im Gespräch. Ob er diesen Spitzenposten übernehmen soll, ließ Schröder beim Auftritt in Rotenburg offen. Der Sozialdemokrat sagte zu seinen Beweggründen, es sei aus ökonomischen und politischen Gründen nicht vernünftig, Russland zu isolieren. "Die Dämonisierung Russlands hilft keinem." Rosneft sei keineswegs "der verlängerte Arm der russischen Regierung". So seien auch British Petroleum (BP), Katar oder Glencore an dem weltgrößten Ölkonzern beteiligt. Das neunköpfige Aufsichtsgremium sei nicht russisch dominiert.

Auf die Frage, ob er nicht fürchte, von Russlands Präsident Wladimir Putin als Aushängeschild bei Rosneft benutzt zu werden, antwortete Schröder: "Ich bin nicht benutzbar." Er habe auch nicht den Eindruck, dass Putin dies mit ihm vorhabe, sagte Schröder. Ihm gefalle auch nicht alles, was Russland auf der Welt tue.

Seine Wahl in den Rosneft-Aufsichtsrat ist für den 29. September geplant.

Schröder machte deutlich, für wie überzogen er die Kritik an seinem geplanten Engagement hält. Man sollte sich einmal vorstellen, er würde für den US-Ölkonzern Exxon in den Aufsichtsrat gehen. "Wie wäre wohl die Reaktion der Presse? Alle wären begeistert, keiner würde über die Beweggründe nachdenken."

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) stellte sich erneut hinter Schröder und warf der Union eine bewusste Skandalisierung der Ambitionen des Altkanzlers vor. "Ich glaube, dass in Wahrheit ein politisches Spiel stattgefunden hat. Dass Schröder, Klammer auf, SPD, Klammer zu, dazu benutzt wurde, um die Sozialdemokraten damit zu triezen", sagte er in einem Interview mit dem Spiegel.

Spott von Karl-Theodor zu Guttenberg

Zu den Berichten, nach denen Schröder den Chefposten im Rosneft-Aufsichtsrat übernehmen soll, sagte Gabriel, soweit er wisse, sei Schröder auch nicht von der russischen Regierung, sondern von BP für den Aufsichtsratsposten vorgeschlagen worden.

Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hingegen kritisierte Schröders geplantes Engagement. "Ich wundere mich, wie wenig Widerstand aus seiner eigenen Partei kommt", sagte er in Kulmbach bei einem Wahlkampfauftritt für die CSU. Schröder bezeichnete er als "Gazprom-Gerd" und witzelte weiter: "Alte Liebe Rosneft nicht."

Gerhard Schröder ist seit dem Ende seiner Kanzlerschaft 2005 Vorsitzender des Aktionärsausschusses beim Betreiber der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream, an dem wiederum der russische Staatskonzern Gazprom die Mehrheit hält.