Die Nato hat deutsche Bundestagsabgeordnete eingeladen, die im türkischen Konya stationierten Bundeswehrsoldaten im September zu besuchen. Die stellvertretende Nato-Generalsekretärin Rose Gottemoeller habe ein entsprechendes Angebot gemacht, sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Wolfgang Hellmich (SPD). Er bestätigte damit einen Bericht des ARD-Hauptstadtstudios. 

Die Türkei hatte Mitte Juli einen geplanten Besuch von Bundestagsabgeordneten auf unbestimmte Zeit verschoben und dies mit den angespannten bilateralen Beziehungen begründet. Das hatte zu einer Auseinandersetzung zwischen beiden Ländern und auch innerhalb des Bundestags geführt. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte sich eingeschaltet, um zwischen den beiden Staaten zu vermitteln und den Besuch in Konya zu ermöglichen. Die Bundesregierung hatte zuvor Soldaten von dem türkischen Stützpunkt Incirlik nach Jordanien verlegt, weil Abgeordneten auch in diesem Fall nicht erlaubt wurde, die Soldaten zu besuchen.

"Das ist ein wichtiger Schritt, in der Nato deutlich zu machen, dass das Besuchsrecht unabdingbar ist", sagte Hellmich. Ein Besuch auf Nato-Einladung ersetze nicht den Grundsatz des Besuches des Bundestag. "Aber er ist ein wichtiger Beitrag, um einen Konflikt zu entschärfen, der der Nato gar nicht dienlich war."

Politiker von SPD und Linken kritisierten die Einigung. Der Obmann der Linkspartei,  Alexander Neu, sagte laut ARD-Hauptstadtstudio, dass der Bundestag sein eigenes Beteiligungsrecht damit aufgebe. "Es ist ein erneutes Einknicken vor Erdoğan."
 Aus Fraktionskreisen der SPD hieß es demnach, dass die Lösung eine Ausnahme bleiben müsse.

Den Planungen zufolge soll am 8. September eine siebenköpfige Gruppe von Mitgliedern des Verteidigungsausschusses nach Konya reisen. Auf dem Luftwaffenstützpunkt sind zehn bis 15 deutsche Soldaten stationiert, die sich am Einsatz von Awacs-Aufklärungsflugzeugen der Nato gegen den IS beteiligen.