Altbundeskanzler Gerhard Schröder, der zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates beim größten russischen Ölkonzern Rosneft gewählt wurde, wird wegen seines neuen Jobs kritisiert. Als "unabhängiger Direktor" soll er dem Staatskonzern dabei helfen, Russlands Energiesektor weiter in die Weltwirtschaft zu integrieren. Dabei wird er auch seine guten Kontakte zu Politikern der EU nutzen. Der Konzern ist politisch sehr umstritten. Wegen der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland steht das Unternehmen auf der Sanktionsliste der EU.

"Völlig deppert der Kerl", kommentierte der SPD-Vorsitzende Martin Schulz die Handlung Schröders im Spiegel. Schulz sagte, er habe versucht, Schröder wieder näher an die SPD zu führen, sei auf ihn zugegangen und habe ihn auf den Parteitag vor der Bundestagswahl eingeladen. "Und dann so was. Echt ey." Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich kritisch, sie bezeichnete Schröders Vorgehen als "nicht in Ordnung".

Der Verfassungsrechtler und Parteienforscher Hans Herbert von Arnim sagte der Passauer Neuen Presse, Schröder habe "kein Gespür mehr dafür, dass bestimmte Dinge einfach nicht gehen". Es gehe ihm erneut nur um seinen persönlichen Gewinn. "Wo ein ehemaliger Regierungschef in Lohn und Brot steht, ist alles andere als seine Privatangelegenheit."

Schröder hingegen verteidigte sein Engagement für Rosneft. Auf der Pressekonferenz nach seiner Wahl sagte er, "dass es vernünftig ist, für die friedliche Entwicklung der Welt ein stabiles Russland zu haben, ökonomisch wie politisch." In seinem neuen Posten werde er seine "Erfahrung zum Wohl des Konzerns einsetzen". 

Von Rosneft-Chef Igor Setschin wird Schröder unterstützt. Der deutsche Altkanzler sei ein Politiker, der "regelmäßig die strategische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland verteidigt" habe. Schröders Einsatz für Rosneft solle vor allem "gute Stimmung" machen und "die Beziehungen unserer Länder beleben", sagte Setschin auf der Aktionärsversammlung in St. Petersburg. Schon bei der Ostseepipeline Nord Stream, einem Projekt der Gazprom, habe Schröder gezeigt, dass er ein Anhänger deutsch-russischer Energieprojekte sei.

Kritik kommt dagegen auch von Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU). Man könne zwar diskutieren, ob ein Altkanzler trotz seines hohen Ruhegehalts noch wirtschaftlich tätig sein muss, "dass er das aber ausgerechnet bei einem solchen Konzern macht, der noch dazu in einem zweifelhaften Ruf steht, überrascht und tut nicht nur der SPD weh", sagte Söder der Passauer Neuen Presse.

Auch für den Ersten Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Michael Grosse-Brömer ist es inakzeptabel, dass Schröder bei einem Energiekonzern aktiv ist, gegen den die EU mehrfach Sanktionen verhängt hat. "Mit seiner eigennützigen Entscheidung stellt sich Schröder gerade im Hinblick auf die Ukraine-Krise gegen die Sicherheitspolitik aller 28 EU-Länder", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir findet es fraglich, wo heute die Loyalitäten von Schröder lägen. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kritisierte er, dass Schröder nun nach Gazprom und Nord Stream auch von Rosneft Gehalt bezieht.

Für sein Amt im Aufsichtsrat soll Schröder, der auch vom deutschen Staat weiterhin bezahlt wird, rund 300.000 Euro pro Jahr bekommen.