Alle Institute sahen die AfD in den letzten Umfragen vor der Bundestagswahl in der Nähe von 13 Prozent. Aber nur ein Institut traf den Wert im vor der Wahl genau: Insa, das Meinungsforschungsinstitut, dem eine Nähe zur AfD nachgesagt wird. Das Erfurter Unternehmen hatte in den Monaten vor der Wahl die AfD beständig viel höher platziert als alle übrigen Institute und lag damit nach dem Erfolg der Partei genau richtig.

INSA und die AfD

Im Vergleich zu anderen Instituten schrieb Insa der AfD mehr Popularität zu – und lag damit letztlich richtig. Die blauen Punkte sind Umfrageergebnisse von Insa für die AfD. Die blaue Linie ist ein Durchschnitt der Bewertungen aller Institute. Der Kreis am Ende ist das tatsächliche Wahlergebnis der AfD.

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Bereits vor vier Jahren hat Gregor Aisch für ZEIT ONLINE untersucht, wie tendenziös die Umfrageinstitute sind. Das haben wir jetzt wiederholt und die Methode dabei verfeinert. Das Ergebnis: Die Umfragewerte der Institute weichen immer noch auffällig stark voneinander ab. Die Institute scheinen einzelne Parteien zu bevorzugen und andere zu benachteiligen. Unsicherheit herrschte offenkundig besonders bei der Linken und der AfD, hier ist die Schwankung besonders hoch.

So unterscheiden sich die Umfragen

Die Umfragen unterscheiden sich innerhalb eines Quartals deutlich, besonders bei starken Ausschlägen wie dem sogenannten Schulz-Effekt Anfang 2017.

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Jeder Punkt in der Grafik ist ein Umfrageergebnis. Deutlich ist zu erkennen, dass die Anzahl der Umfragen über die Jahre zugenommen hat. Insgesamt enthielt unser Datensatz etwa 35.500 Umfragewerte, die seit Ende 1994 auf wahlrecht.de gesammelt wurden; fast ein Viertel dieser Punkte entstand seit der letzten Bundestagswahl. Die farbige Fläche deutet für jedes Quartal an, wie stark die Umfrageinstitute in dem jeweiligen Quartal auseinanderlagen; die Linie zeichnet den Durchschnitt der Institute nach.

Nicht nur der Zufall sorgt für Streuung in den Punkten: Ein Teil der Unschärfen kommt auch daher, dass die Institute die Aussagen ihrer Befragten selbst gewichten und bereinigen. Denn wer wöchentlich Antworten auf die Sonntagsfrage geben will, der muss möglichst effektiv vorgehen und mit kleinen Stichproben auskommen. So liegt bei politischen Meinungsumfragen die Zahl der Befragten fast immer gerade an der Grenze der Signifikanz. Was als tragfähige Aussage gilt, muss daher wohl abgewogen werden – und das wird in jedem Institut etwas anders entschieden. Diese nachträglichen Gewichtungen schieben die Stimmen in die eine oder andere Richtung. 

Die auffälligste Tendenz zeigt sich bei Insa. Die CDU/CSU wird hier besonders in den letzten beiden Jahren vor der Wahl niedriger als bei der Konkurrenz bewertet. Die SPD bekam bei Insa eher weniger Stimmen, sieht man vom Schulz-Hype ab, in dem Insa die SPD sogar kurzzeitig höher bewertete. Mehr Stimmen gab es dagegen für Linke, FDP und besonders für die AfD.

Ähnlich gewichtete auch Infratest dimap die AfD tendenziell höher.

Bei Forsa sah es umgekehrt aus: Der Anteil für die CDU/CSU war hier höher als bei der Konkurrenz, dafür lagen hier die Stimmen für AfD, Die Linke und FDP niedriger.

Forsa und die CDU/CSU


Allensbach und die SPD

Allensbach vergab besonders viele Punkte für die Sozialdemokraten. Dafür unterschätzte man hier die AfD eher.

Allensbach und die AfD

Allensbach bewertete die AfD schlechter als andere Institute.

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Infratest dimap hingegen gewichtete die AfD höher und lag bei der Linken und der FDP eher unter dem Schnitt.

Im Detail sieht man: Meinungsumfragen sind mit Vorsicht zu genießen, auch wenn insgesamt und im Trend das Wahlergebnis der Bundestagswahl von allen Instituten recht gut vorhergesagt wurde. Nimmt man einen statistischen Fehler von etwa drei Prozentpunkten an, dann lagen praktisch alle Institute in der Tendenz richtig.