Ein Minderjähriger hat sich im Diplomaten- und Regierungsviertel der afghanischen Hauptstadt Kabul in die Luft gesprengt und mindestens fünf Menschen mit in den Tod gerissen. Das berichtet die Kabuler Polizei. Außerdem gab es mindestens 23 Verletzte.

Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, bei dem Selbstmordattentäter handle es sich um einen 13 bis 15 Jahre alten Jungen. Einem Polizeisprecher zufolge war der Attentäter möglicherweise sogar erst zwölf Jahre alt. Alle Opfer seien Afghanen und Zivilisten. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" reklamierte den Anschlag für sich.

In die "Grüne Zone" eingeschlichen

Die Explosion ereignete sich gegen 16 Uhr Ortszeit, wenn viele Angestellte ihre Büros in Kabul verlassen. Der Attentäter hatte sich offenbar problemlos in eine eigentlich schwer bewachte Zone eingeschlichen.

Die sogenannte Straße 14 führt in einen normalerweise an allen Zugangsstraßen abgesperrten Block, in dem sich unter anderem das Nato-Hauptquartier, der Präsidentenpalast, die US-Botschaft, die britische Botschaft und das Büro der Weltbank befinden. Dort sind auch große afghanische Ministerien wie das bereits mehrfach angegriffene Verteidigungsministerium.

Afghanistan - Tote bei Selbstmordanschlag in Kabul Ein 10 bis 14 Jahre alter Junge hat sich am Dienstag im Diplomatenviertel in Kabul in die Luft gesprengt. Dabei sollen bis zu acht Menschen getötet worden sein. © Foto: Omar Sobhani / Reuters

In ersten Informationen des Verteidigungsministeriums hieß es zunächst, der Attentäter sei auf einem Motorrad unterwegs gewesen und habe den ersten Kontrollpunkt zur sogenannten Grünen Zone in Kabul überwunden. Am zweiten Kontrollpunkt sei er gestoppt worden, woraufhin der Sprengsatz explodiert sei. Welches Ziel der Attentäter treffen wollte, sei nicht klar.

Im Oktober ist es in Kabul zu einer ganzen Reihe von Anschlägen gekommen. Mehr als 50 Menschen starben bei einem Angriff auf eine schiitische Moschee. Bei einem Überfall auf ein Ausbildungszentrum der Armee wurden mindestens 15 Soldaten getötet. Seit Jahresanfang hat es in Kabul etwa 15 schwere Anschläge mit Hunderten Toten und Verletzten gegeben. Drahtzieher sollen die radikalislamischen Taliban oder der IS gewesen sein.