Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican). Damit setzt die Jury ein klares Signal für ein Verbot von Atomwaffen: "Wir senden Botschaften an alle Staaten, vor allem die mit Atomwaffen", sagte die Vorsitzende des norwegischen Nobel-Komitees, Berit Reiss-Andersen, in Oslo. Der Preis sei ein Aufruf an alle Atommächte, "ernsthafte Verhandlungen" mit dem Ziel einer schrittweisen und "sorgfältig überprüften Vernichtung" der fast 15.000 Atomwaffen in der Welt zu beginnen. 

Verhaltene Reaktionen

Ican ist ein Bündnis aus 450 Friedensgruppen und Organisationen, die sich seit Jahren für Abrüstung engagieren. Der größte Erfolg der Kampagne mit Sitz im schweizerischen Genf ist ein UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen, der im Juli in New York unterzeichnet wurde und inzwischen von 122 Staaten unterstützt wird. Er verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von Atomwaffen. Allerdings hatten die neun Atommächte sowie fast alle Nato-Staaten – darunter Deutschland – die Verhandlungen boykottiert. Ihre Begründung: Da die Atommächte nicht teilnehmen, könnten die Verhandlungen nichts ändern.

Dementsprechend verhalten fiel die offizielle Reaktion der Bundesregierung aus. Sie gratulierte der Organisation zwar zu der hohen Auszeichnung, bekräftigte aber gleichzeitig ihre Ablehnung des Verbotsvertrags. "Der einzig richtige Weg zu nuklearer Abrüstung sind Dialog und Verhandlungen mit den Staaten, die Atomwaffen besitzen", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin, Ulrike Demmer. Aus der Opposition hieß es, die Bundesregierung müsse den Vertrag nun endlich unterschreiben.

"Aufforderung zum Weitermachen"

In einer ersten Reaktion zeigte sich Ican-Direktorin Beatrice Fihn "sehr geehrt". Der Preis sei die Aufforderung, sich für die nukleare Abrüstung auch weiterhin weltweit einzusetzen. "Wir werden in den kommenden Jahren eifrig daran arbeiten, die vollständige Umsetzung sicherzustellen. Jede Nation, die eine friedlichere Welt sucht, die frei von nuklearer Bedrohung ist, wird diese entscheidende Vereinbarung unverzüglich unterzeichnen und ratifizieren", teilte Ican auf Facebook mit.

Die Osloer Jury hatte sich in diesem Jahr unter 318 Anwärtern entscheiden müssen – 215 Personen und 103 Organisationen waren für den Preis vorgeschlagen worden. Dass die Auszeichnung in diesem Jahr im Kontext des Kampfes gegen Atomwaffen vergeben wird, hatten Friedensforscher erwartet. Allerdings dachten sie dabei eher an die Architekten des Atom-Abkommens mit dem Iran, womit sich das Nobelkomitee aber politisch eindeutig positioniert hätte: US-Präsident Donald Trump hat mit der Aufkündigung des unter seinem Vorgänger Barack Obama geschlossenen Vertrags gedroht.

Ican folgt auf Juan Santos

Im vergangenen Jahr hatten die fünf Mitglieder des Nobelkomitees Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos ausgezeichnet. Er erhielt den Nobelpreis für "seine entschlossenen Anstrengungen, den mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkrieg in dem Land zu beenden". Wenige Wochen zuvor hatten Santos und der Chef der linken Farc-Guerilla, Rodrigo Londoño alias "Timochenko" einen Friedensvertrag unterzeichnet – nach Jahrzehnten des Konflikts, in dem mehr als 220.000 Menschen starben und Millionen vertrieben wurden.

Wie die Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie und Literatur wird der mit neun Millionen schwedischen Kronen (etwa 940.000 Euro) dotierte Friedensnobelpreis am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, verliehen. Überreicht wird die Auszeichnung – anders als die anderen Nobelpreise – nicht in Stockholm, sondern in der norwegischen Hauptstadt Oslo.

Warum Nobel dies entschied, ist nicht bekannt. In seinem Testament legte der Dynamit-Erfinder fest, die Auszeichnung solle an denjenigen gehen, der "am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verkleinerung stehender Armeen" gewirkt hat.